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VANstaltungen

Die monatliche, subjektive Auswahl von Konzerten, die uns interessieren. Für alle, die ahnen, dass Klassik unmittelbarer, abgründiger, glückseligmachender ist als die Klischees im eigenen Kopf, aber noch nicht wissen, wohin mit diesem Verdacht.

Text VAN-Team


Bach: Weihnachtsoratorium

Foto H.-P. Haack

Keine VANstaltungen ohne Bach, keine Weihnacht ohne Wham! äh … also Weihnachtsoratorium. Die Suche im Veranstaltungskalender ergibt allein für Deutschland: 174 Treffer für die nächsten 30 Tage. Wir greifen hinein in die Blech äh … Bachtrommel und ziehen exemplarisch drei hinaus: Beim Hamburger Ensemble Resonanz gibt’s das Weihnachtsoratorium als urbane Kammermusik: mit Freunden, Adventskranz und neuen Klangfarben im Continuo, zunächst im eigenen Resonanzraum, danach im Berliner Radialsystem. Thomas Hengelbrock zieht mit seinem Balthasar-Neumann-Chor & Ensemble durch die Landen, und das Freiburger Barockorchester spielt alle sechs Kantaten am Silvesterabend: »Denn was kann es Schöneres geben als die Botschaft des ›Weihnachtsoratoriums‹ als Scharnier zwischen den Jahren?«

Balthasar Neumann Chor & Ensemble
2.–9. Dezember 2015 Neumarkt, Frankfurt/M, Wiesbaden, Essen, Dortmund, Luxemburg, Freiburg

Ensemble Resonanz
17.–19. und 21. Dezember 2015 Hamburg, Resonanzraum
22. Dezember 2015 Berlin, Radialsystem

Freiburger Barockorchester
31. Dezember 2015 Freiburg, Konzerthaus


 

Live-Konzert zu Filmmaterial von Christoph Schlingensief

Foto © Aino Laberenz

In der Kuppelhalle des ehemaligen Krematoriums und heutigen Kulturquartiers Silent Green vertonen Mouse on Mars feat. Thomas Mahmoud-Zahl, Lucrecia Dalt, PC Nackt & das Stegreif Orchester, Tula und die Transistors of Mercy teils unveröffentlichtes Filmmaterial von Christoph Schlingensief in fünf Live-Scores à 20 bis 30 Minuten, gesessen wird auf Sitzkissen, Karten zu gewinnen gibt’s bei unseren Kollegen von Ask Helmut.

3. Dezember 2015 Berlin, Kulturquartier Silent Green


Der feurige Engel in München und Berlin

Im Ballett wird es um diese Jahreszeit traditionell sehr kitschig und wohlig, Nussknacker und so. Ein bisschen anders in der Oper: Gleich an zwei großen Häusern ist mit Prokofjews selten aufgeführtem Der feurige Engel ein so gar nicht weihnachtliches Stück zu sehen. Lustige Koinzidenz: Während an der Komischen Oper Berlin der junge australische Regisseur Benedict Andrews inszeniert, ist der eigentliche Hausherr Barrie Kosky mit dem Stück an der Bayerischen Staatsoper. (Mit Kosky im Rücken wollten wir auch nicht inszenieren.)

München, Bayerische Staatsoper 3., 6., 9. 12. Dezember (Am 12. Dezember Übertragung im Livestream der Bayerischen Staatsoper!)
Berlin, Komische Oper, 10.,16. und 20. Dezember


 

Quartett Plus 1: Die beste Beerdigung

Seit Jahren drehen Lisa Stepf und Katharina Pfänder ihr Quartett Plus 1 auf hohen Touren. Mit einer Riesenlust auf Theater, die sich nicht in »Scheitern als Chance«-Versuchsanordnungen erschöpft, sondern mit der nötigen Extrovertiertheit etwas sagen will; über die Welt, über Bangladesh, Lagos, Polnische Haushaltskräfte. »Plus 1« heißt: In jedem Projekt mit einem musikalischen Gast.

What does it mean to die? To give up everything. Death cuts you off with a very, very, very sharp razor from your attachments, from your gods, from your superstitions, from your desire for comfort next life and so on. I am going to find out what death means because it is as important as living. J. Krishnamurti

Jetzt gibt es das Stück Die beste Beerdigung der Welt, ein gemeinsames Abschiedsritual mit dem Publikum, gespielt wird unter anderen Bryce Dessners (The-National-Gitarrist) Komposition Ayhem.

8., 10., 11. und 13.12. Göttingen Deutsches Theater/DT–2


 

ePhil mit Frank Bretschneider

Gerade habe ich mit Frank Bretschneider telefoniert, das Interview erscheint am 9. Dezember auf VAN. Nun also der große alte Mann der deutschen Elektronik-Avantgarde, der noch zu DDR-Zeiten seine erste Band AG Geige gründete, im Zeichen der geschwungenen Linien von Elbphilharmonie/Laeiszhalle! (Das Konzert findet allerdings im Resonanzraum statt.) Sein neues Album Sinn + Form, erschienen auf Raster-Noton, dem von ihm mitgegründeten Platten-Label mit Stil, Ruf und Substanz ist eine Übung im Aufgreifen und Strukturieren der nie ganz zu kontrollierenden Klänge, die das Zusammenspiel verschiedener Wellen und Spannungen am analogen Synthesizer hervorbringt. Und wie wird es? Laut, körperlich, eindrucksvoll, interessant, wenn man ein bisschen Hörerfahrung mitbringt, sonst ›abgefahren‹.

10.12 Hamburg Resonanzraum Feldstraße


 

Kirchenmusik von Rihm

Wolfgang Rihms Vigilia ist moderne liturgische Musik, die an Stücke von Gesualdo erinnert. Das Ensemble Modern, das Vokal Ensemble Singer Pur und Dirigent Jonathan Stockhammer bringen das Werk zusammen mit dem Stück Sound As Will für Trompete und Ensemble in Frankfurt. Wer Weihnachten lieber in der Kirche des Konzerthauses als im Dom feiert – oder einfach genug von Starbucks-Christmas-Playlists hat – wird sich an dieser melancholischen Musik erfreuen.


11.12 Frankfurt, Alte Oper


 

»denn inniger ist, achtsamer auch« – Hommage an György Kurtág

Anlässlich seines 90. Geburtstags am 19. Februar 2016 widmet die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin dem großen ungarischen Komponisten und Kammermusiklehrer vier Konzerte an zwei Tagen im Dezember. In der liebevollen Festschrift schreibt der Pianist Jonathan Aner über eine Begegnung mit Kurtág anlässlich eines Meisterkurses in Jerusalem:

Wir waren überwältigt von dem Ausmaß der Hingabe, des Enthusiasmus und der Bedeutung, die er jedem Anfang und Ende eines Tons zumaß, ganz zu schweigen von seinem Innenleben. Kurtág beschwor eine wundersame Alchemie herauf, durch jede Klangkombination, jede Geste, jeden Bindebogen, jeden Intervall. Alles erhielt seine Bedeutung, alles war lebenswichtig. Der Mikrokosmos, den seine mikroskopische Betrachtung zu Tage förderte, wurde greifbar.

Die Konzentration auf jede Einzelheit, die Kompromisslosigkeit hinsichtlich der Interpretation der eigenen Werke, das Ringen um einen Ausdruck der inneren Vorstellung, es taucht in vielen Beiträgen der Festschrift wieder auf. In diesem Geiste werden fast 70 Schüler/innen, Freunde und Kolleg/innen Kurtágs wie Tabea Zimmermann, Nicolas Altstaedt und das Kuss Quartett seine Werke im Neuen Marstall aufführen, unter anderem die Kafka-Fragmente, Játékok, die Hölderlin-Gesänge, Signs, Games and Messages, die 12 Mikroludien und die Botschaften des verstorbenen Fräulein Troussova.

11.–12. Dezember Berlin, Neuer Marstall


Stargazing Again

Das »genreübergreifende Projekt in Pop und zeitgenössischer wie klassischer Musik« Stargaze war schon öfter hier erwähnt. Mitglieder des Kollektivs haben mit uns besprochen, welche Sequenzen von In C das selbe musikalische Gesicht haben, ob man als klassischer Musiker Heroin braucht, um die Ausbildung vergessen zu können, und uns sogar einen Vorschlag gemacht, welches Musikstück als einziges der Geschichte »perfekt« sein könnte. Im Dezember sind sie wieder in Berlin.


11., 12., 13.12. Berlin, Volksbühne


 

Münchner Symphoniker, Mahlers Erste und Jan Vogler

Als wir Ende Oktober den Dirigenten der Symphoniker, Kevin John Edusei fürs VAN-Interview trafen, hat er uns nach dem Gespräch noch auf dieses Konzert hingewiesen, zu Recht: Zwei riesengroße Werke, aus dem selben Jahrzehnt, den 1880ern. Wenn man es polarisieren will, dann geht eines, Franz Bruchs Kol Nidrei, nach innen und eins, Mahlers 1. Sinfonie, nach draußen; auch wenn der Untertitel »Der Titan« bereits von Mahler verworfen wurde. Ein weiteres Beispiel für eine der klugen und einfallsreichen Programmierungen, mit denen Kevin John Edusei. Der Cellist Jan Vogler ist da, auf dessen Homepage steht allerdings, es werde am selbigen Abend zu Kol Nidrei nicht Mahler, sondern Robert Schumanns Konzert für Violoncello und Orchester gespielt! Wir hoffen auf eine schnelle Einigung, auf das Mahlers Erste nicht wie Mahlers Fünfte klingt, weil dazu Schumann gespielt wird.

16.12. München, Herkulessaal


 

Beethovens Siebte

Warum stillsitzen, wenn im ersten Satz der punktierte 6/8-Takt wie ein Virus in die Musik einfällt und sich darin ausbreitet wie ein ansteckendes Delirium. Wenn sich in der Coda des vierten Satzes die Streicher gegenseitig zur Ekstase puschen, während darunter die ostinaten Bässe wühlen? Wenn entschleunigt wird, auf der Insel einer Fermate oder Melodie, nur, um anschließend noch polternder Fahrt aufzunehmen. Wenn es in einem beginnt wie kochendes Wasser zu glucksen und man anfangen will zu laufen, weil man nicht weiß, wohin mit sich. Die Siebte ist Zeugin für die Kraft des Rhythmus, zu der alle Ausdrucksformen körperlicher Entgrenzung besser passen als die hermetischen Rituale des Konzertsaals.

schrieben wir neulich über Beethovens Siebte, die wir zusammen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester (DSO) nach Asien begleiteten. Wenn jetzt die Kolleg/innen vom Rundfunk-Sinfonieorchester das Werk in Berlin spielen, stehen wir alle auf und tanzen.

16. und 17. Dezember 2015 Berlin, Konzerthaus


 

Pelléas et Peter Sellars

Von wegen Melancholie: Auch Debussys Oper Pelléas et Mélisande ist mit ihrer distanzierten Traurigkeit ein Ausweg aus dem gezwungenen Sentiment zu Weihnachten. Peter Sellars und Simon Rattle führen das Stück in einer halbszenischen Aufführung in der Berliner Philharmonie auf. Was auch immer »halbszenisch« genau sein mag: eine abstrakte Erzählungsform passt, vielleicht besser als eine vollständige Operninszenierung, zu dieser Musik.

16., 17., 19., 20.12 Berlin, Philharmonie


 

Hamburger Symphoniker, MusikImPuls

Das haben wir gerne, das denkende Orchester. Was heißt das?

Wir sind uns in unserem künstlerischen Schaffen einer sozialen und politischen Verantwortung bewusst. Und wir fordern diese Verantwortung immer wieder heraus.

Die Reihe MusikImPuls soll den Hamburger Symphonikern so eine Herausforderung sein. Musik im öffentlichen Raum, auf der Straße. Leider erfährt man immer erst kurz vor dem Konzert, wohin es gehen soll. Die letzten Orte waren im Alten Elbtunnel, im Feldstraßenbunker in Hamburg. Das erste Konzert der Reihe sollte in Parc Fiction stattfinden, einer Anlage, die oberhalb der Elbe gelegen, das Symbol für eine Stadtentwicklung von unten ist und gemeinsam mit dem Pudelclub (»Elbphilharmonie der Herzen«) auch so etwas wir ein kleine kritische Widerrede zur Elbphilharmonie gelesen werden kann, in der das Philharmonische Staatsorchester Hamburg und das NDR Sinfonieorchester spielen, während die Symphoniker in der Laiszhalle residieren. Lokaler Konkurrenzkampf der Haltungen? Das fänden wir ebenfalls nicht schlecht. (Am Ende hat das Wetter das Konzert allerdings anders als auf dem Bild suggeriert, in die Kirche geweht.)

Für das nächste MusikImPuls-Konzert ist angekündigt:

Wo wirkt klassische Musik am besten? Im Konzertsaal? Im Radio? Oder dort, wo man sie nicht erwartet? An einer Antwort versuchen wir uns mit dem 3. MusikImPuls-Konzert: Mitten in Hamburg, mitten im Weihnachtstrubel, kostenlos und für alle.

Mehr gibt es ab Donnerstag auf dieser Webseite


 

Christian Tetzlaff

Foto © Giorgia Bertazz

»Hervorgetreten ist er unter anderem durch seine Wiedergabe der Violin-Werke von Jean Sibelius«, steht im Wikipedia-Beitrag zu Christian Tetzlaff. Da hätte aber auch so ziemlich jedes andere Werk stehen können, in das der Geiger in den letzten 25 Jahren hineingetreten ist. Tetzlaff lebt in einem Paralleluniversum aufrichtigen, geerdeten Künstlertums, weit weg von allem marktschreierischen Gewese und Personenkult. Sein »Image« ist es vor allem, ein großartiger Musiker zu sein, einer der wenigen, die im Konzertmoment auf eine ganz unmittelbare Weise kommunizieren und neues erzählen können. Auch mit Worten hat er einiges zu sagen, wie man bald in VAN lesen kann. Es passt, was der Dirigent Esa-Pekka Salonen in einem Porträt über Tetzlaff im New Yorker sagt:

There’s hardly anybody I know who knows so much about music but who is also at the same time such an intuitive and wild musician, who comes at it directly from the stomach.

Im Dezember spielt er mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg das Sibelius-Konzert, nach der Pause gibts dann Schönbergs Pelleas und Melisande, Dirigent ist François-Xavier Roth, den wir auch sehr bald in VAN vorstellen.

19. Dezember 2015 Mannheim, Rosengarten
20. Dezember 2015 Freiburg, Konzerthaus


 

Die Slawische Seele

Foto © Pristine Classical

Als der Betrug um die Pianistin Joyce Hatto und die von ihr angeblich aufgenommen CDs aufgedeckt wurde, war es für manchen Kritiker ziemlich peinlich. Eine Aufnahme von Rachmaninows 3. Klavierkonzert, gespielt von Yefim Bronfman sei nicht »slawisch« genug; Hatto hätte allerdings genau diese Seele der Musik verstanden. Es war die selbe CD.

Am 20. Dezember spielt Bronfman drei Klaviersonaten von Prokofiew. Nun können wir sicher sein, dass es beim Pianistin keine Probleme beim Spiel im slawischen Charakter gibt. Aber was ist das eigentlich? Diese drei Sonaten werfen vielleicht einen ironischeren Blick darauf als Rachmaninow. Besonders begeisternd ist die 6. Sonate A-Dur Op. 82.


20.12. Berlin, Staatsoper im Schiller Theater

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