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VANstaltungen

Die monatliche, subjektive Auswahl von Konzerten, die uns interessieren. Für alle, die ahnen, dass Klassik unmittelbarer, abgründiger, glückseligmachender ist als die Klischees im eigenen Kopf, aber noch nicht wissen, wohin mit diesem Verdacht.

Text VAN-Team


Wolfgang Rihm in der Basilika

Die Basilika in Weingarten ist das größte barocke Kirchenbauwerk nördlich der Alpen. Sie steht, ach was, sie schwebt über dem oberschwäbischen Weingarten, das in den 1970er Jahren mal einer Fusion mit dem benachbarten Ravensburg, der mittelalterlichen Stadt der Türme und Tore entgangen ist. In der Basilika befindet sich ein Tropfen des Blutes Jesu, sonst würden wohl kaum jedes Jahr seit 1529 ungefährt 3.000 Reiter/innen in Frack und Zylinder die entsprechende Reliquie ab morgens um fünf auf dem Blutritt würdevoll und nebelumwölkt durch das Umland tragen. Gerade an einem schönen Herbsttag kann man auf der Klosteranlage ganz wunderbar wandeln, alle Sehnsucht der Natur spüren, im gar nicht weit gelegenen Wald, dem Lauratal in ihre Dunkelheit eintreten. An einem frühen Novemberwochenende bietet sich nun vor Ort, im Rahmen der Internationalen Weingartner Tage für neue Musik eine großartige, aber nicht großspurige Möglichkeit, das Werk von Wolfgang Rihm zu entdecken oder: sich von ihm einhüllen zu lassen. Bei ersterem unterstützt der Komponist persönlich, er ist an den ersten beiden Tagen für ein Künstlergespräch und ein Gesprächskonzert vor Ort. Bei zweiterem helfen die riesigen Räume, der Dirigent Jonathan Stockhammer, das Ensemble Modern und einige ausgewählte weitere Musiker/innen.

6.–8.11. Weingarten (Oberschwaben), Basilika und angrenzendes Hochschulgebäude


 

Bach gespielt – und besprochen

Statt Bach-Interpretationsvergleichen aus der Konserve bringen wir ihn im November live. Denn entscheidend ist auf dem Platz und ohne Netz und doppelten Boden. Isang Enders spielt im Rahmen der Reihe »Essener Jugendstil« (eine Variation von »die jungen Wilden«) in der dortigen Philharmonie die Suiten Nr. 1 G-Dur, Nr. 2 d-Moll und Nr. 6 D-Dur. Auf dem Cello. Ob das immer so war und richtig ist, wird vielleicht im anschließenden Publikumsgespräch Thema sein. Denn angeblich komponierte Bach Suite Nr. 6 D-Dur für das Violoncello da spalla, das wird auf der Schulter, nicht zwischen den Knien gehalten und gespielt. Wie das klingt, kann man sich anhören beim »Bach-Marathon« (diese Wörter!): Konstanze von Gutzeit und Sergey Malov spielen dort im Vergleich. Und weil Alban Gerhardt nicht nur ein formidabler Cellist, sondern ebenfalls nicht auf den Mund gefallen ist, wird sein Sparring mit Clemens Goldberg ebenfalls eine kurzweilige, scharfsinnige Angelegenheit.

1.11. Essen, Philharmonie
28.11. Berlin, Konzerthaus
29.11. Berlin, Radialsystem



 

Bruckners Vierte remixen

Allein mit der Überschrift könnte man schon stundenlange, ziemlich emotionale Debatten anzetteln. Zum Beispiel so:

Marianne: »Bruckners Vierte remixen? Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?«

Yannick: »Wieso, ist doch super, lies mal:«

Remixer und Re-arranger weltweit sind dazu eingeladen, auf die kompositorischen und klanglichen Grundbausteine des Finales von Anton Bruckners 4. Symphonie, der sogenannten ›Romantischen‹, zuzugreifen und den Samples ihre eigene Note zu verpassen.

»Weißt du, worauf ich verzichten kann? Dass ein Haufen Computerkids, von denen noch keines alle vier Sätze einmal am Stück angehört hat, den letzten Satz zerfleddert. ›Ihre eigene Note zu verpassen‹, als ob das ginge.

»Aber warum denn nicht? Das ist doch ein super Zugang, man nimmt das Material und schaut, was man damit anfangen kann.«

»Material, wenn ich das schon höre. Was würden diese Kulturvermittler sagen, wenn wir Neuschwanstein oder den Gropius-Bau in seine materiellen und architektonischen Bestandteile zerlegen und ihn dann von Teenies wieder aufbauen lassen? Nur weil die zu degeneriert sind, eine Struktur zu verstehen, die sich nicht mal so nebenher bei Whatsapp mitteilen lässt, die auch nur ein bisschen größer oder tiefer ist als das eigene digitale Leben. Kaputt machen, in kleine Module unterteilen, und die mit Schlüsselreizen versehen, so läuft das doch heute. Damit verdienen doch die von Sonos ihr Geld, Wireless, Streaming. Alles immer da, aber nichts richtig.«

»Und wenn. Nur weil du deinen vermeintlichen Bildungsvorsprung unbedingt gegen andere Erfahrungen abgrenzen willst, heißt das nicht, dass diese Erfahrungen nicht stattinden dürfen. Dieses ganze Romantik-Ding ist doch eh schon damals total konstruiert gewesen, auch bei Bruckner in seiner etwas seltsamen zölibatären Welt, deswegen romantic revolution, wir schauen uns das nochmal neu an.«

Ach wisst ihr was? Findet es selber heraus. Veranstalter ist das DSO, Schirmherr ist House-DJ Henrik Schwarz, Einsendeschluss der 31. Januar 2016. Wir bleiben dran.

Ab 1.11. Internet, Computer


 

Das modern art sextet spielt Lücker, Ferneyhough, Mahnkopf, Katzer und Ching

Wie oft hat uns Teilzeit-VAN-Autor Arno Lücker vertröstet mit nächtlichen Nachrichten: »Sorry, Text kommt später, ich sitze gerade an meiner neuen Komposition für Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Violoncello und Klavier.« Nun denn: Lass mal hören!

3.11. Berlin, Konzerthaus/Werner-Otto-Saal




 

Krystian Zimerman spielt Schubert

»Manchmal, eher sehr selten, passiert es: Ein großes Stück, tausendmal gehört, jede Phrase von allen möglichen Interpretationen gesättigt, alles was irgendwie noch vertretbar wäre, ist ausprobiert, ausgereizt. Klar, es wird weiter gespielt, weiter aufgenommen, schließlich handelt es sich um große Musik. Aber so richtig neu und unerhört klingt es selten, und irgendwie trägt es auch schwer unter der Last der ganzen interpretatorischen Trampelpfade. Und dann hört man es plötzlich jemanden spielen und denkt: Natürlich, klar, so geht es auch, wieso ist da eigentlich vorher noch niemand drauf gekommen?«

(in VAN)

Die Wahrscheinlichkeit, einen solchen Moment bei einem Konzert des polnischen Pianisten Krystian Zimerman zu erleben, ist relativ groß. Angeblich spielt er ja nur 50 Konzerte im Jahr, eines davon am 6. November in Berlin.

6.11. Berlin, Philharmonie



 

Alte Musik als Kult in Herne

Natürlich ist Mozart Alte Musik, auch Strawinski ist Alte Musik. Ich finde der Begriff ist so sinnlos, das man ihn auf die Spitze treiben muss.

… sagt René Jacobs im Oktober 2015 im VAN-Interview. Natürlich spricht hier der Wunsch, nicht in eine Schublade eingesperrt zu sein. Es bleibt aber festzuhalten, dass viele vermeintlich sinnlose Begriffe doch hin und wieder einfach funktionieren, ob es »E-« und »U-«, »Postrock«, »Neue« oder eben »Alte Musik« seien. Was in einer veränderbaren, nach außen offenen Art und Weise damit gemeint sein könnte, gibt es in Herne (Ruhrgebiet) zu hören, bei den Tagen Alter Musik, deren Wurzeln fast so lange zurückreichen, wie Jacobs' erste Beschäftigung mit der Szene, die sich in den 1960er/70er Jahren herausgebildet hat.

Thema der 40. Ausgabe des vom WDR mitausgerichteten Festivals ist »Kult«, und angesichts der zahlreichen Kulturen und rituellen Kulte, in die die Alte Musik eingebunden ist – im Gegensatz zur Linie der klassischen Musikkultur, die ja eher ihre kunstimmanente Entwicklung betont – scheint das logisch und ergiebig: Marienkult (spanische Renaissance-Musik), Freimaurer-Kultur (Mozart, Cherubini, Haydn – alle in irgendeiner Loge), Turkomanie (an der die französischen Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts nur schwer vorbeikamen), irischer Totenkult, Herrscherkult. Mehr über die Künstler/innen,  Ensembles, Geschichten und Orte im Programmflyer.

12.–15.11. Herne, diverse Orte



 

Veronika Eberle spielt Brahms in Chemnitz

Gestern noch am Plattenteller, bald schon auf der Showbühne: Jüngst verglich sie in VAN handverlesene Aufnahmen von Mozarts G-Dur Violinkonzert, im November spielt Veronika Eberle mit Brahms und der Robert-Schumann-Philharmonie in Chemnitz auf und pustet uns Mozart mit Brahms aus den Ohren. Der schrieb sein Violinkonzert 1878 in der bevorzugten Sommerfrische Pörtschach am Wörthersee, »ein jungfräulicher Boden, da fliegen die Melodien, daß man sich hüten muß, keine zu treten«. Hört mal. 

11. und 12.11. Chemnitz, Stadthalle
 


 

Frauen- und Farbpaletten

Ein Blick auf die Ausstellung von Werken der Künstlerin Cindy Sherman im »me Collectors Room Berlin« zeigt ein Spektrum verschiedener Frauen mit einem je eigenen, seltsamen Charisma. Vor diesem Hintergrund spielt die Cellistin Séverine Ballon neue Kompositionen, die die »unendlichen Farbpaletten« ihres Instrumentes erkundigen sollen. Wenn die Klänge so individuell wie die Bilder wirken, wird es ein sehr vielfältiger Abend werden. Auch sympathisch: Der klare Hinweis, dass die Aufführung ›Ohne Bestuhlung‹ stattfindet.

15.11. Berlin, me Collectors Room


 

Greatest Hits Vol. III

Vor einem Jahr schrieben wir:

»Das Leitmotiv des ›Festivals für zeitgenössische Musik‹, das im November vor einem Jahr zum ersten Mal stattfand, ist eine Diskokugel, die Typo ist bei den Fernsehhitparaden der 1970er Jahre ausgeliehen, und der Name ist ›Greatest Hits‹. Wer sucht, der entdeckt einen harmlosen Bezug von der Diskokugel zum Begriff des Facettenreichtums. ›Greatest Hits‹ wiederum spielt vielleicht darauf an, dass auch eine Musik, die für viele noch nicht ins gängige System passt, schon lange ihre eigenen Lieblingsstücke herausgebildet hat.«

Jetzt wird es interesssant: Alle Disko-Spiegelapplikationen liegen wie scherben auf dem Boden, übrig bleibt eine perlmuttschmimmernde Kugel. Heben wir also ein paar von den Teilen auf: Fokus in diesem Jahr ist Claude Vivier. Sein Wo bist du Licht!, aufgeführt unter anderem mit dem Ensemble Resonanz, ist ein Stück von einem naiven Komponisten über den Zynismus des Krieges. Das Trio Catch (Bild), das hier auf VAN bald seine Lieblingsstücke-Playlist präsentiert, ist einer der Local Heroes. Zu denen zählt auch noch das Trio L'art pour L'art, dessen, wie soll man es nennen, ganzheitlich-künstlerisches Verständnis von Musik geprägt wurde, als kurz nach der Wende einmal eine Reisegruppe von ostdeutschen Musikern im Bauernhaus in Winsen zu Gast war. Etwas clubbiger geht es zu, wenn Fennesz zu Gast ist, etwas harmonischer mit Efterklang.

Da ist noch mehr, wirklich mehr, als auf eine Diskokugel passt, sehen wir ein. Und trotzdem kann man sich das alles, wenn man möchte, in den halbstündigen Auftritten (Best of Greatest Hits) des Institutes für angewandtes Halbwissen kondensieren lassen.

19. – 22. November 2015 Hamburg, Kampnagel; VAN verlost Tickets
 


 

Spektrale Perkussion im Tinguely-Museum am Rhein

Der Schweizer Künstler Jean Tinguely baute Skulpturen, die sich auf Knopfdruck bewegen und teils wie fantastische Kompositionen klingen. Das Museum am Rhein, das seinen Namen trägt, ist außerdem ein fantastischer Ort für Konzerte. Die regelmäßige Pharma-Konzertreihe "Roche'n'Jazz" klingt zwar irgendwie verdächtig - aber das anstehende Konzert mit einem neuen Werk vom spektralen Komponisten Hugues Dufourt für das Kult-Ensemble Les Percussions de Strasbourg verursacht bestimmt angenehme Nebenwirkungen. 

21.11 Basel, Tinguely Museum


 

Dialoge des Mozarteums

Es ist wunderschön, Morton Feldman sprechen zu hören; er hat einen musikalischen, starken Brooklyn-Dialekt, der zu seiner Musik passt, aber auch von seiner Zeit als Arbeiter in der Mantelfabrik seines Vaters zeugt. Es lohnt sich, einen Film über ihn anzuschauen, wie das nun bei den diesjährigen »Dialogen« des Mozarteums Salzburg gratis möglich ist. Dazu gibt es dort eine Menge interessanter Konzerte, zum Beispiel am 25. November, wenn der doch etwas gefällige oberflächliche französische Komponist Jean Françaix mit den eher tiefgründigen, grüblerischen Künstlern Feldman und Beat Furrer kombiniert wird. Dort spielt das Klangforum Wien, dirigiert von Beat Furrer.

22.–29.11. Salzburg, diverse Orte



 

cresc… Biennale, Frankfurt Rhein Main

Im Film wird Musik oft zum Beiwerk. Dass es sich dennoch lohnt, die Beziehung der beiden Kunstformen auszuloten, will die »cresc… Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main« in diesem Jahr beweisen. Qual der Wahl: Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum mit live gespielter Musik von Strauss, Strauß, Chatschaturjan und Ligeti in der Frankfurter Alten Oper? Und/oder direkt danach im Kleinen Saal desselben Hauses eine Multikassettenrekorder-Performance von Thomas Wenk auf Basis des Raumschiff-Enterprise-Soundtracks? Oder eine der Uraufführungen audiovisueller und intermedialer Werke? Ganz unfilmisch wird Helmut Lachenmann zum 80. Geburtstag gratuliert, auch mit einer Uraufführung des Komponisten. Nebenbei geht es um den Beweis, dass die Kulturinstitutionen der Region Rhein-Main in der Lage sind, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Fixpunkte sind das Ensemble Modern und das hr-Sinfonieorchester.

26.–29. 11. Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Hanau, diverse Orte


 

Debüt im Deutschlandradio Kultur

Gerade läuft in Chile die U17-Fußball-WM. Geworben wird dafür mit all den Stars, deren Stern dort einst aufging: Ronaldinho, Fàbregas, Götze, Kroos. Ähnlich verhält es sich mit der Reihe »Debüt im Deutschlandradio Kultur«: Das mitspielende DSO hatte sie dort alle schonmal als Jungspunde vor sich auf dem Podium: Jacqueline Du Pré und Daniel Barenboim (beide 1963), Jessye Norman (1969) und Simon Rattle (1977), Jewgenij Kissin (1987), Cecilia Bartoli (1988) und auch den heutigen Chefdirigenten, Tugan Sokhiev (2003). Wir gehen hin, alleine um später mal sagen zu können: »Andrei Ioniţă (Bild)? Habe ich schon als 21jährigen gehört und gleich gewusst: Aus dem Jungen wird was.«

25.11. Berlin, Philharmonie


 

Das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra spielt Sibelius, Prokofjew,Tschaikowski, Stenhammer und Hillborg

Auch in VAN geht es dieses Jahr nicht ganz ohne Jubilar Sibelius: Jeff fliegt am 11. November nach Stockholm, um mit Sakari Oramo, dem Chefdirigenten des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, und der Geigerin Lisa Batiashvili über Sibelius als Nationalkomponisten und Musiker als Botschafter ihrer Heimatländer zu sprechen. Die Geschichte darüber findet ihr am 18. November in VAN, den Soundtrack zum Text gibt es dann wenig später in Wien, Baden-Baden, Luxemburg, Köln und Hamburg zu hören.

18.11. Wien, Musikverein
20.11. Baden-Baden, Festspielhaus
22.11. Luxemburg, Philharmonie
23.11. Köln, Philharmonie
24.11. Hamburg, Laeiszhalle



 

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