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VANstaltungen

Die monatliche, subjektive Auswahl von Konzerten, die uns interessieren. Für alle, die ahnen, dass Klassik unmittelbarer, abgründiger, glückseligmachender ist als die Klischees im eigenen Kopf, aber noch nicht wissen, wohin mit diesem Verdacht.

Text VAN-Team


Artemis Quartett

Im Juli verstarb überraschend Friedemann Weigle, Bratschist des Artemis Quartett. Was für ein guter Typ und Musiker er war, davon schreibt Volker Hagedorn in seinem Nachruf in der Zeit. Das Artemis Quartett nimmt im Oktober auf der Bühne Abschied, mit Werken, die Friedemann Weigle in besonderer Form nahe standen, Brahms’ Klavierquartett op. 60, Schumanns op. 47 mit Elisabeth Leonskaja am Klavier, und eine Partita für Trio, »die mit Auszügen aus Bachs Goldberg-Variationen, der Englischen Suite BWV 808 und der Sinfonia BWV 795, sowie mit zwei Piazzolla-Fragmenten aus Oblivion und Fuga 9 einen Bogen von den Anfängen von Friedemanns Biografie als Sohn eines Kirchenmusikers bis hin zu seiner erfüllten Zeit im Artemis Quartett spannt.«

1.10. Frankfurt, Alte Oper 
6.10. Pully, L’Octogone (mit Matan Porat, Klavier)
7.10. Berlin, Philharmonie/Kammermusiksaal
9. und 10.10. Wien, Konzerthaus/Mozartsaal


 

In den Domen: Bruckner und Messiaen

Foto Johanna Heckeley

Akustisch vielleicht nichts für die trockene Analyse klassischer und romantischer Aufbauten, aber rein schwingungsmäßig irgendwie angehoben klingen Konzerte in der Kirche. Außerdem erlauben sie – sei es die Energie des Raumes, sei es Konditionierung aus der Kinderzeit – diese gewisse innerlichkeitsbetonte Haltung. So könnten wir am Freitag in den Kölner Dom gehen und das von seinem neuen Dirigenten François-Xavier Roth dem Hörensagen nach total begeisterte Gürzenichorchester mit Messiaen, Poulenc, Fauré hören; tags darauf nach Mainz, Bruckners Sechste und seine Motetten. Warme Kleidung ist zu empfehlen.

2.10 Köln, Dom
3.10. Mainz, Dom (scrollen zu »4. Konzert«)


Livestream Premiere Les Contes d’Hoffmann aus der Komischen Oper

Am 2. Oktober bringen wir unseren Beamer in Position, drehen die Anlage auf und laden gute Freunde ein zum Livestream der Premiere von Jacques Offenbachs Les Contes d’Hoffmann aus der Komischen Oper. Das Beste ist: das Pausenprogramm wird nicht von Olli Kahn, Axel Brüggemann oder David Garrett befüllt, sondern von Chefregisseur Barrie Kosky himself.

2.10. Interweb


Island in der Schweiz

Erinnert ihr Euch noch an unseren Reisebereicht aus Reykjavík mit dem Porträt des jungen Abenteurers Víkingur Ólafsson? Mit Basel Sinfonietta gibt er den »Epicycle 1 – Island« mit Musik zeitgenössischer isländischer Komponist/innen.

2.10. Basel, Stadtkasino und 3.10 Zürich, Tonhalle


Beethoven Leistungsschau

Im Oktober spielen gleich drei große Berliner Orchester Beethoven-Sinfonien: die Philharmoniker alle neun (No. 4 und 7 gibt’s auch im Kino), das DSO die Eroica – einen Tag bevor es sich mit Beethoven im Gepäck und begleitet von VAN nach Südkorea und Japan aufmacht – das Konzerthausorchester die Fünfte und Achte. »Toll«, sagen die einen, »da kann man ganz im Sinne einer Leistungsschau vergleichen«. »Irrsinn«, sagen die anderen, »bei der Fülle der Musik, die man gar nicht oder selten zu hören bekommt. Wenn schon immer dasselbe Repertoire, dann soll man sich doch wenigstens besser abstimmen.« Wir sind unentschieden, und ihr so?

Ab 3.10. Berlin, Philharmonie: Beethoven-Zyklus der Berliner Philharmoniker (insgesamt 11 Konzerte) 
21.10. Berlin Philharmonie: Deutsches Symphonie-Orchester spielt die 3. Sinfonie
22., 23. und 25.10. Berlin, Konzerthaus: Konzerthausorchester spielt die 5. und die 8. Sinfonie (am 22. im Rahmen des Formats »mittendrin« nur die Fünfte)


Münchner Philharmoniker, Gergiev

Die Ernennung von Valery Gergiev zum neuen Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker galt Vielen als Griff ins Klo (»Putin-Freund«, »dauernd unterwegs«, »und dann diese zittrigen Hände – wie Espenlaub«). Ein Großteil von diesen war dann ganz begeistert, als sich Gergiev beim Antrittskonzert vor zwei Wochen mit einer fulminanten Zweiten von Mahler beim Publikum vorstellte. Nicht-Münchner können sich im Oktober in Essen und Frankfurt selbst ein Bild machen.

4.10. Frankfurt, Alte Oper
5.10. Essen Philharmonie


Konzert Minimal

Die Komponist/innen um die Edition Wandelweiser stehen für langatmige Musik äußerster klanglicher Schönheit. In einem früheren Konzert der Reihe Konzert Minimal gab es ein Stück von Michael Pisaro, bei dem man in zehnminütigen stillen Pausen nur die Klänge der als Konzertort benutzten belgischen Bierbar hörte. In dieser Aufführung werden die Peckinpah Trios von Wandelweiser-Gründer Antoine Beuger im in klassischer Hinsicht Noch-Underground-Bezirk Wedding zur Aufführung gebracht.

7.10. Berlin, Studio 8


aaaviary

Who’d have thought/that snow falls

Dieses Zitat von Morton Feldmans Three Voices, nach einem Gedicht von Frank O’Hara, drückt die Melancholie aus, die entsteht, wenn man sich Gedanken über die Unwahrscheinlichkeit des Lebens auf der Erde macht. Das Stück wird meistens mit einer zweimal aufgenommenen und einer live gesungenen Stimme aufgeführt; hier wird das Stück von drei verschiedenen Frauen gesungen. In der Nicht-Konzert-Saal-Location Hallesches Haus in Berlin-Kreuzberg, mit Bier und Wein. 

8.10. Berlin, Hallesches Haus


Freiburger Barockorchester

Jeff: »In meiner wilden, doch sehr nerdigen Jugend wurde ich einmal aus einem Konzert des Freiburger Barockorchesters herausgeschmissen, aufgrund mangelnden Kartenbesitzes. Es macht halt einfach wahnsinnig viel Spaß, wie dieses Ensemble Alte Musik spielt. Zur Eröffnung der Saison 15/16 führen sie Musik aus der ›unmittelbaren höfischen Umgebung‹ Louis XIV. auf. Macht nicht den selben Fehler wie ich und kauft eine Karte, damit ihr tatsächlich auch das Programm hören könnt.«

8.10. Berlin, 11.10. Stuttgart und 12.10. Freiburg


Junun mit Greenwood, Rajasthan Express

Foto Shin Katan

Im Frühjahr 2015 wurden der israelische Komponist Shye Ben Tzur, Jonny Greenwood von Radiohead und ›The Rajasthan Express‹ von dem Maharaja von Jodhpur in der Mehrangarh Festung beherbergt. Diese wunderbare Zusammenkunft resultierte in dem Album und dem Film Junun (Der Wahnsinn der Liebe). (mubi)

Um zu ergänzen: The Rajasthan Express ist eine indische Musikgruppe, die mit traditionellen Instrumenten spielt, Paul Thomas Anderson hat unter anderem die Filme Magnolia und There will Be Blood gedreht. Jonny Greenwood hat zu letzterem die Filmmusik komponiert und sie als There will Be Blood Suite bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht. Mit dabei war auch Nigel Godrich, Produzent und Toningenieur für Radiohead, Beck, U2. Der Film wird am 8. Oktober beim New York Film Festival gezeigt. Man kann warten, bis er in die Kinos kommt, oder ihn wenige Stunden später beim Indie-Weltkino-Dienst Mubi anschauen. Man braucht dazu ein Abo, das kostet pro Monat 3,99 bzw. 4,99 (bei Jahresabbuchung) Euro, aber mit so etwas kennt ihr euch ja hoffentlich aus.

New York Film Festival, Online oder hoffentlich bald in einem Programmkino in Deiner Nähe


 

Lied und Lyrik bei Bamberg

Foto Renate Dodell

Es gibt vielleicht im Oktober auf der ganzen Welt keine bessere Gelegenheit, Lieder zu hören – aus Barock, Klassik, Romantik, 20. Jahrhundert – als diese kleine Non-Profit-Festspiel-Biennale in Franken. Höchste Verdichtung sowohl in der musikalischen Form als auch im ganzen nicht-existenten Drumherum. Dafür die Grandezza von Thomas Hampson, der mit den Bamberger Symphonikern die Orchesterlieder von Mahlers Des Knaben Wunderhorn singt, das Schillern von Anne Sofie von Otter und die funkelnde Schärfe Pekka Kuusistos, die skandinavische Lieder und Kammermusik bringen. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem was in Konzerthalle, Alte Vogtei, Kaisersaal, Kutschenhalle, Klosterkirche so geboten ist.

10.–15.10. Banz, Bamberg, Burgkunstadt, diverse Orte


Musikfabrik, Tuning the Cosmos

Diese Veranstaltung hat den großartigen Titel » pitch 43_tuning the cosmos«: Das Ensemble Musikfabrik spielt nämlich Kompositionen für die aufhörenerregenden Instrumente von Harry Partch, der schon letzten Monat kurz durchs Bild unserer VANstaltungen rannte. Karten sind zu gewinnen! Im Sperrsitz.

11.10. Köln, WDR Funkhaus am Wallrafplatz


Georg Friedrich Haas in Donaueschingen

Foto Substantia Jones

Zwei tolle Kompositionen von Georg Friedrich Haas wurden schon in Donaueschingen uraufgeführt: Hyperion für Licht und Orchester 2006 und Limited Approximations – für sechs Klaviere im Zwölfteltonabstand und Orchester – 2010. Dieses Jahr gibt es die Uraufführung eines Oktetts für acht Posaunen; eine Besetzung mit sehr vielen mikrotonalen Möglichkeiten, dazu noch in einer Kirche mit langem Nachhall. Bei den Musiktagen wird zwar gerne gelästert, aber wetten, dass auch dieses Jahr das neue Haas-Stück ein Highlight des Festivals wird?

16. und 17.10. Donaueschingen


urban string / offbeat


Was sollen wir sagen? »urban string« vom Ensemble Resonanz ist nun mal eines unserer Lieblingsformate und wir gehen hin, egal was läuft. Am 22. Oktober treffen sich übrigens Steve Reich, James Frith, James Freud und Kalle Kalima zum finnisch-amerikanischen »sähkotikara«. 

22.10. Hamburg, Resonanzraum

Am 28.10. geht es dann noch ein bisschen weiter runter zum Hafen, wo man sich die Finger an der populären Musik, an den Maschinen und der Bar schmutzig macht: Andi Otto mischt mit seinem elektronisch erweiterten Cello, dass er auch schon in VAN vorgestellt hat, südindischen Raga und Dub, das Ensemble Resonanz spielt Melancholisches aus dem 16. Jahrhundert von Dowland, dann wird der vielen zu hirnlastige Komponist Brian Ferneyhough, genauer: sein Funérailles I, einem Live-Remix unterzogen, bevor Heiko Gogolin – wahrscheinlich – die Wogen gut gelaunt etwas zurechtzupft.

28.10. Hamburg, Golden Pudel Club


Festival NOW! »Prismen«

Foto Thomas Machoczek

Apropos mikrotonal, apropos »selten gespielt«: wann haben wir zum Beispiel zuletzt Gérard Griseys beklemmend-metaphysische Quatre chants pour franchir le seuil (»Vier Gesänge, um die Schwelle zu überschreiten«) gehört? Immerhin widmet die Philharmonie Essen der »Musique spectrale« im Oktober ihr Now-Festival. Grisey, Tristan Murail, Kaija Saariaho, Giacinto Scelsi, Georg Friedrich Haas. Woher bekommt der Klang seine Sinnlichkeit und Bedrohung, was bringt Töne in ihrem Innersten zum Leuchten? Wir werden eine Ahnung bekommen.

22.10 – 8.11. Essen, Oberhausen, diverse Orte

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