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VANstaltungen

Die monatliche, subjektive Auswahl von Konzerten, die uns interessieren. Für alle, die ahnen, dass Klassik unmittelbarer, abgründiger, glückseligmachender ist als die Klischees im eigenen Kopf, aber noch nicht wissen, wohin mit diesem Verdacht.

Text VAN-Team


Saisoneröffnungen

Fast überall freut man sich einfach auf wunderbare Spielzeiten. Daniel Barenboim lädt Martha Argerich zur Eröffnung der Staatskapelle Berlin ein. Die komische Oper veranstaltet ein Familienfest, die sächsische Staatskapelle und ihr »Capell-Virtuos« Yefim Bronfman machen erst mal ein Heimspiel, Bruckner, Beethoven. In Köln gibt François-Xavier Roth sein Festkonzert zum Einstand als neuer Kapellmeister des Gürzenichorchesters erst nach den ersten Sinfoniekonzert, dafür startet die NDR-Radiophilharmonie mit Beethovens Neunter. Das Bayerische Staatsballett führt einen eigenen Live-Trailer zur Saison auf. Ein Auftakt, überall. 

Eine Idee: Vielleicht wäre in diesen Tagen auch ein Konzert vor einem der zahlreichen Flüchtlingsheime mehr als »ein Zeichen«, sondern würde für eine gute Atmosphäre sorgen, für die, die es mehr brauchen als die meisten anderen?

Musikfest Bremen

Foto Mirjam Devriendt

So oft regnet es im Norden gar nicht, und Bremen ist viel schöner als viele wissen – so munkelte man zumindest am vergangenen Wochenende auf dem Marktplatz bei der Eröffnung des diesjährigen Musikfests Bremen. Für Kurzentschlossene im Norden ein Tipp für heute Abend: In Die Glocke spielt das B’Rock – Belgian Baroque Orchestra Ghent (Bild) – unter der Leitung des extrem coolen Experten für Alte Musik, René Jacobs, Haydns Die Schöpfung. Für alle anderen lohnt sich ein Besuch in jedem Fall bis zum 19. September, zum Beispiel bei Brandt Brauer Frick am 15. September – siehe auch die VANstaltung weiter unten. 

Noch bis 19. September Bremen, diverse Spielorte


Musikfest Berlin

FOTO © WIKIMEDIA COMMONS

Ein Orchesterfestival ohne Kompromisse und Zeitgeist-Schnickschnack; vielleicht ist das nur möglich, weil der Auslastungsdruck nicht so groß ist und die Philharmonie auch mal nur zur Hälfte voll sein darf. Eine gute Situation für den Festspielleiter Winrich Hopp, der sehr gute Klangkörper mit selten gespielten Werken einlädt:

Beim Musikfest Berlin gastierten sie zuletzt vor 8 Jahren: die San Francisco Symphony von der amerikanischen Westküste und das Boston Symphony Orchestra von der Ostküste. Dieses Jahr sind sie erneut in der Philharmonie zu erleben: mit ihren Chefdirigenten Michael Tilson Thomas und Andris Nelsons. Und es kommen Orchester, die erstmals das Musikfest Berlin besuchen: das Israel Philharmonic Orchestra mit Zubin Mehta, das Swedish Radio Symphony Orchestra mit Daniel Harding und das Royal Danish Orchestra mit Michael Boder. Erstmals dabei ist auch Christoph von Dohnányi, mit dem Philharmonia Orchestra London, das er über viele Jahre prägte. (Festivalhomepage)

Bei VAN als Medienpartner des Musikfests erschienen Artikel zu einigen Schwer- und Höhepunkten des Festivals: Arno Lückers Interview mit Ingo Metzmacher über Schönberg und die Jakobsleiter, Thomas von Steinaeckers Interview mit Marco Blaauw über Stockhausen und das Familiengespräch von Mathias Monrad Møller mit seinem Vater über Carl Nielsen.

2.–20. September Berlin, meistens Philharmonie


Víkingur Ólafsson

Foto Ari Magg

Erinnert ihr euch noch an unseren Reisebereicht aus Reykjavík mit dem Porträt des jungen Abenteurers Víkingur Ólafsson? Nun, man kann ihn jetzt im Konzert sehen. Neben der armenischen Pianistin Marianna Shirinyan spielt Víkingur Ólafsson den Klavierpart von Karneval der Tiere, mit der Kammerakademie Potsdam und Antonello Manacorda, nachmittags um 15 Uhr, beim Familiensonntag.

6. September Potsdam Nikolaisaal

Mit Basel Sinfonietta gibt er den »Epicycle 1 – Island« mit Musik zeitgenössischer isländischer Komponist/innen.

2. (Stadtcasino Basel) und 3. Oktober (Tonhalle Zürich)


 

Brandt Brauer Frick – Live Album Recording

Auch wenn man das Gerede von einstürzenden Genrebarrieren nicht mehr hören kann, weil gute Musik eh über ihr Genre hinausweist oder es erweitert – Brandt Brauer Frick besetzen ein paar interessante Doppelpositionen: Populäre Musik (Techno) wird mit klassischen Instrumenten gespielt. Das ist nichts Neues und führt oft in die Neoklassikfalle. Hier aber nicht: Der Loop dient nicht der Portionierung von Wohlklang, sondern ist Ausgangspunkt für seine eigene Verwandlung. Und ist nicht gerade Techno – wir sprechen hier nicht von der Kirmesvariante – selbst irgendwie ein »ernstes« Genre (ernstes Layout, Verzicht auf Künstlerpersönlichkeit / Cover und so weiter)? Dazu kommen Konzerte wie dieses, bei denen man sich auch nicht mehr auf dem stylischen Beat ausruhen kann, wie hier

Die einen sagen:

I love where all of this is going. Walls are falling between classical musicians and DJs. Those guys are pioneers and we'll talk about them in musical history classes in 50 years, take my word. (Youtube-Kommentar von »Nathan S. Giroux« zu Watch Me Work)

Die anderen:

You don't need all these people. Use a sequencer! (Youtube-Kommentar von silvastomp zu Bop)

Die Band selbst meint:

On Sept 9th and 10th we'll record a live Ensemble album with new material joined by Beaver Sheppard – the singer on our forthcoming album JOY – and our new 4 piece choir The Free Electric Singers!

Ob man es mag oder nicht; vielleicht ist das einfach die Chance für einen Weißabgleich der eigenen Musikdimensionen.

9. und 10. September Berlin, Kulturquartier Silent Green


 

Basel: Biennale für neue Musik und Architektur

Aus Sinuswellen, Taktzahlenverschiebungen und wohltemperierten Gravitationsmulden schufen Conlon und die kleine Gruppe rasch begeisterter Prodniki, die sich um ihn versammelte, ohne dass er sie hätte rufen müssen, neue schöne Verhältnisse zwischen dem omphalischen Gebäudekern und seinen säulenfreien Außenringen. Sie erweiterten die Nutzfläche für Ausstellungen sowohl ober- wie unterhalb der drei Straßenniveaus und zogen in der Bogenhalle zwischen dem Musik- und dem Skulpturenflügel eine Haut aus lichtdurchlässigen Glaslamellen ein, die visuelle Effekte im Einklang mit der von Conlon organisierten Sanftbeschallung im für Menschen unhörbaren Bereich erweckte. (Dietmar Dath, Feldeváye)

Anders gesagt, schon mal daran gedacht, dass Raum vielleicht kein neutrale Konstante für die Musik, sondern ihr Ziel sein könnte? Oder: Schon mal eine Wohnung nicht bezogen, weil sie akustisch nicht stimmte? Dann kommen Sie zur Biennale für neue Musik und Architektur, gehen Sie im Münster durch James Tenneys Akkord In a Large Open Space, seien Sie eine/r von je fünf Zuhörer/innen, für die das Schlagzeugtrio Rob Kloet, Fritz Hauser, Sylwia Zytynska zusammen mit Boa Baumann (Raum) und Brigitte Dubach (Licht) Mini-Räume aufzieht oder erleben Sie Musik von Beat Furrer, Thomas Kessler, Beat Gysin und Georg Friedrich Haas, auf einer Bühne, die sich dreht.

10.–13. September Basel, verschiedene Orte


Tiroler Festival für Neue Musik

Man lasse sich dieses Video mit Harry Partch (Bild) nicht entgehen. Der Komponist macht darin mal zuerst klar, dass er schon lange kein Musik-Kunsthandwerker mehr ist, sondern ein Philosophen-Komponist, dann zeigt er seinen Mailorder-Versand, erklärt, dass seine Werke nicht für die Bühne da sind. Und dann! Dann kommen wir zu den Instrumenten und ihren seltsamen Stimmungen: 43-Ton-Oktave, die reine 11-Limit-Stimmung und andere. Das Thema der Klangspuren Schwaz – künstlerischer Leiter ist der ehemalige MärzMusik-Chef Matthias Osterwold, Composer in residence ist Beat Furrer – sind diese Stimmungen: Naturtonreihen, komische Tonleitern, Umstimmungen von Instrumenten, Mikrointervalle, magische Schwebungen. Das Programm bietet neben vielen klugen, schönen Welten (auch hier wird In a Large Open Space gegeben) sogar eine zweitägige Pilgerwanderung mit Musik. Wer öfter in der Gegend ist: Für den längsten Chor der Welt werden noch Sänger/innen gesucht. Das ist aber erst im Mai 2016.

10.–27. September Innsbruck, Schwaz, Brixen


 

Concertgebouworkest in Essen (und vice versa)

Foto Anne Dokter

Es gibt da diese Liste, die ist auch schon ein bisschen älter, aber Klangkörper haben weniger oft Umbrüche als Fußballmannschaften, insofern darf man sich auch mal dem Spaß an den Listen, den Rankings, hingeben. In dieser Liste also, von Gramophone (UK), geht es um die besten Orchester der Welt, und sie werden von Platz 20 nach Platz 1 aufgezählt, und ganz am Ende, nach den Berliner Philharmonikern steht das Amsterdamer Concertgebouworkest, und Mariss Jansons, der damals, 2008, Chefdirigent war, sagte: 

The Concertgebouw players expect something extra from you, an interesting interpretation, illuminating ideas, a fantasy. If you offer them that, they play with a passion as though for a new piece rather than a work they have played a million times before. This is what the players want – that higher level, when you forget about the notes and play the image, the idea.

Jetzt kann man sie in Essen hören, bereits mit Daniel Gatti, der ab 2016 Chefdirigent sein wird und Sol Gabetta am Cello.

12. September Essen, Philharmonie

Ein paar Tage vorher spielen die Essener Philharmoniker im Concertgebouw in Amsterdam und das wird an einem Sonntag morgen um 11 Uhr live ins Internet übertragen, von dieser Webseite  aus zu sehen.


Ensemble Adapter, Reihe »Rotation« im Ex-Rotaprint

Das Gelände eines ehemaligen Druckmaschinenherstellers, Rotaprint, am Berliner Gesundbrunnen bietet, wenn man hinter die Bausünde eines Discounters blickt Architekturanblicke, beim Anblick derer sich der Knowledge Worker am Laptop die Industriegesellschaft zurückwünscht, mit dem Menschen im Mittelpunkt, mit Vernunft und Großmut. Seit 2005 hat hier das Ensemble Adapter seinen Proberaum und seine Heimat; hier findet auch die selbstkuratierte und -ausgeführte Reihe »Rotation« statt, in diesem Jahr noch mit drei Konzertabenden, also bitte Kalender raus und später dahin gehen, danken könnt ihr uns später.

17., 18. und 20. September: 

Tom Rojo Poller – Der Garten der Pfade, die sich verzweigen; für Flöte, Klarinette, Geige, Cello, Harfe, Klavier und Schlagzeug. Der Manager des Ensembles schreibt uns: »Ein sehr besonderes, entspanntes Hörerlebnis (auf Sitzsäcken) für nur jeweils 30 Personen pro Show.«

1. und 27. Oktober:

Devices and Desires: Musik für Stimmen, Instrumente und Geräte. Neue Werke von Paul Frick (D), Simon Løffler (DK), Genoel von Lilienstern (D) und Ricardo Eizirik (BRA). Mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart und dem Ensemble Adapter.

1. November: 

Adoptions 2015 – neue Werke für Flöte, Klarinette, Harfe, Schlagzeug und Elektronik. Der Manager des Ensembles schreibt uns: »Die fünf Gewinner unser ersten Kompositionsausschreibung: Ole Hübner (D), Mikolaj Laskowski (PL), Ricardo Eizirik (BRA), Lars Skoglund (NO), Daniel Campbell (CAN)«

Terminübersicht Ensemble Adapter


GesammttkkunnsttMeshuggahhLaandtttt

»Charlemagne Palestine ist eine coole Sau«, so wird man es ab dem 18. September um den Wiener Karlsplatz herum hören. Dabei würde er diese Zuschreibung entschieden verweigern. Einer der nicht zufrieden ist, seinen Style gefunden zu haben, der nicht zu den Minimalisten gehören, sondern seine eigenen Grenzen finden will. Ein Performer, ein Forscher. Man muss sich vor dieser Ausstellung, die sein Gesamtwerk beleuchtet, ein bisschen fürchten, vor dem ganzen Plüschgetier, den Unverschämtheiten, und weil es natürlich Zeit kosten könnte, sich die Sachen anzuhören.

Ab 17.9. Wien, Kunsthalle, VAN verlost Karten


 

Orfeo. Eine Sterbeübung.

You cannot live without dying. You cannot live if you do not die psychologically every minute. This is not an intellectual paradox. To live completely, wholly, every day as if it were a new loveliness, there must be dying to everything of yesterday, otherwise you live mechanically, and a mechanical mind can never know what love is or what freedom is. (J. Krishnamurti, Freedom from the Known)

Ein neues Stück vom Solistenensemble Kaleidoskop nach L'Orfeo, der »Favola in Musica« von Claudio Monteverdi. EIne Kooperation mit Ruhtriennale und Musikfest Berlin. Die folgende Beschreibung ist dort entnommen:

Die Zuschauer werden in Gruppen von maximal acht Personen durch unterschiedliche Räume geführt. Die Handlung von »Orfeo« konzentriert sich auf die Reise durch die Unterwelt. Das Publikum wird Zeuge von Eurydikes Leben nach dem Tod. Inspiriert vom »Tibetischen Totenbuch« und den dort beschriebenen Stufen des Todes und der Wiederauferstehung, ist ein polyphones Raumgefüge gestaltet worden, durch das sich der Besucher bewegen wird. Es ist eine Welt, die mit der ambivalenten Beziehung zwischen realen physischen und virtuellen Zuständen spielt. In dieser hyperrealen Umgebung, bewohnt von »synthetic girls«, kommt es zu einer Fusion von physischem und digitalem Selbst.

3., 4., 5. und 6. September Essen, Welterbe Zollverein
18., 19., 20., 26., 27., 30. September; 1.–4. Oktober Berlin, Martin-Gropius-Bau


 

Reden über Musik in Deutschland und Frankreich

Foto © Universal Edition-Eric Marinitsch

Ehrlich gesagt, oft sehen wir Dinge, beobachten Menschen und hören Worte und Reden, nach denen wir staunend denken, »das ist irgendwie deutsch«. VAN selbst ist es vielleicht auch, wer weiß, auch wenn wir bald eine internationale Ausgabe haben werden. Vielleich würden wir also aus rein beruflichem Interesse zu einer Veranstaltung gehen, die da hieße »Reden über Musik in Deutschland und Frankreich«. Wie es sich fügt, kommt aber auch Wolfgang Rihm (Bild), der mit seinem Komponistenkollegen Pascal Dusapin das Thema des musikalisch Schönen mit reinbringt. Hören wir Musik mit anderen Ohren? Was sagen wir darüber? Die vielen kleinen Geisteswissenschaftlerfigürchen in uns freuen sich da jedenfalls drauf.

21. September Berlin, Institut Français


 

Konferenz auf dem Reeperbahn-Festival

Foto Nina Ivanov

Das Reeperbahnfestival ist ein Clubfestival. Klassische Musik, sieht man von den üblichen Contemporary-Classic-Romanzen einmal ab, kommt aber nur als »Thema« vor, bei der begleitenden Konferenz nämlich. Es gibt zwei interessante Panels, eines über Streaming und klassische Musik, eine anderes über die Zukunft der Medien für klassische Musik, da ist auch VAN in Gestalt des Herausgebers vertreten.

24. (Thema Medien) und 25. September (Thema Streaming) Hamburg, Arcotel Onyx


Kit Armstrong / Ensemble Resonanz

Es gibt dieses lesenswerte Zeit-Porträt Kit Armstrongs, in dem beschrieben wird, wie dieser junge Musiker durch all seine wahnwitzige Verstandesintelligenz immer wieder Lebensweisheit rieseln lässt, und am Ende denkt man: Vielleicht wusste Alfred Brendel das schon, als er ihn im Alter von 16 Jahren zum Wunderkind erklärt hat. Und jetzt spielt er mit dem Ensemble Resonanz, zwei Mal in Hamburg – einmal in der Laeiszhalle (»Resonanzen«), einmal im Resonanzraum (»urban string«). Da trifft also der Typ, der sich mit Mathe entspannt, wenn er mal wieder genug hat vom Komponieren und Brillieren, auf die Frauen und Männer, die sich um alles Mögliche kümmern müssen, von Kinder über Kohle bis Kulturförderung, und die mit ihrem Projekt die Stadt nähren. Und: Kann das Wunderkind mit den Leitmotiven »… der Verführung« oder »Plüsch« etwas anfangen?

25. September »urban string« Hamburg, Resonanzraum
29. September »Resonanzen« Hamburg, Laeiszhalle
Bereits am 22. September gibt es ein Intro zum Programm, mit den Künstlern


 

»Geschichte« von Oscar Strasnoy

Foto © Guy Vivien

Operette à cappella für sechs Sänger und Tonband vom argentinischen Komponisten Oscar Strasnoy. Auf der Webseite der Staatsoper Berlin steht:

Gombrowicz (Witold Gombrowicz, der Autor des Textes, d. Red.) erzählt in seinen fragmentarischen Szenen die Geschichte seiner eigenen Erziehung in Polen und zugleich Geschichte als Historie.

Die »Story«: In Traumsequenzen verwandelt sich die Familiensituation in Schlüsselszenen der Geschichte, werden die psychotischen Familienmitglieder zu Feinden.

Die Klangsprache Strasnoys ist vom rasanten Wechsel aller nur denkbaren vokalen Ausdrucksmöglichkeiten geprägt: Deklamation, A-cappella-Satz, Parlando und Sprechen finden sich satztechnisch in avantgardistischen Musikvokabular bis hin zu Anklängen an Unterhaltungsmusik wieder. Kurze Tonbandeinspielungen konkreter Geräusche schaffen den akustischen Raum dieses Parforceritts durch die groteske Geschichte.

Das hört sich alles sehr experimentell und nicht gerade publikumsfreundlich an, ist aber, so kann man hier in einer Internetminiatur der Aufführung der Neuen Vocalsolisten Stuttgart sehen, durchaus vergnüglich, in dieser kleinteiligen Durchdringung von Schauspiel und Musik, von Geschichte und Familie. Auch die Presse berichtete damals von gebannten Zuschauern. Und so anders geht es bisweilen – akustisch gesehen – im Alltag zu Tische nicht zu, Leute mit Kindern werden es wissen. Und wenn man dazu noch seinem eigenen verrückten inneren Monolog zuhört … Also, warum nicht ab in die Werkstatt und sich das mal anschauen und -hören?

26. und 30. September, 1., 9., 10. und 12. Oktober Berlin, Werkstatt der Staatsoper im Schillertheater


 

Symphonic Mob

Foto © Kai Bienert

Konzertgänger, Musikschülerinnen, Hobbygeiger, -posaunisten und -pianistinnen – einmal hat sich vermutlich jede/r schon mal gefragt und heimlich vorgestellt, wie es wäre, mit einem professionellen Orchester zu spielen. Kann man machen: Am 19. September lädt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin dazu ein, zusammen mit den Profis und unter der Leitung des Dirigenten Manuel Nawri zwei Tänze von Brahms und zwei von Dvořák zu spielen. Mitgebracht werden darf jedes Instrument, auch die, die normalerweise nicht ins Orchester gehören. Die DSO-Musiker vor Ort ersetzen natürlich nicht die Vorbereitung: Die Noten, in Originalversion oder vereinfachtem Arrangement kann man sich vorab runterladen und dann gleich mitbringen. Ohne Altersbeschränkung! (Bild von 2014)

19. September Berlin, Mall of Berlin

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