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VANstaltungen

Die monatliche, subjektive Auswahl von Konzerten, die uns interessieren. Für alle, die ahnen, dass Klassik unmittelbarer, abgründiger, glückseligmachender ist als die Klischees im eigenen Kopf, aber noch nicht wissen, wohin mit diesem Verdacht.

 

Text VAN-Team


Sakrale Visionen

Christianity is not a Western religion. It was not founded in London, however much the Victorians liked to believe that God was an Englishman, nor in Rome, still less so in Brussels. It was born in Jerusalem and received its intellectual superstructure in the great cities of the Eastern Mediterranean: Antioch (modern Antakya in Turkey), Damascus, Constantinople (modern Istanbul) and Alexandria. (Ein Blog-Eintrag von William Dalrymple)

Kurzentschlossenes Berlin, hergehört! Musiker/innen, die in Griechenland, Indien, Libanon, Russland und Äthiopien zu den besten zählen, bringen vom östlichen Christentum inspirierte geistliche Musik in einen Kinosaal des 21. Jahrhunderts. Am 26. Juni in London, am 29. Juni in Paris, gastiert dieses Konzert heute, am 1. Juli, dem Tag der Veröffentlichung dieser VANstaltungsübersicht in Berlin, im Babylon-Kino. Man kann hier reinhören. 

1. Juli Berlin, Babylon


 

Barbara Hannigan (II)

Jetzt, wo wir eine Playlist von Barbara Hannigan haben, wollen wir sie noch öfter sehen und hören: Im Juli zum Beispiel als (Schwester) Matsukaze in der gleichnamigen Oper von Toshio Hosokawa in einer Choreographie von Sasha Waltz an der Berliner Staatsoper (wir verlosen Karten auf unserem Sperrsitz), außerdem in dem Orchesterliederzyklus, von dem ihre formidable Playlist überhaupt handelt: let me tell you, in München aufgeführt (und live aufgenommen) unter der Leitung von Andris Nelsons.

2. und 3. Juli München, Herkulessaal der Residenz 
10., 11. und 12. Juli Berlin, Staatsoper im Schillertheater

(im Rahmen des im letzten Monat angekündigten Festivals für neues Musiktheater, Infektion!)


Recital mit Martha Argerich und Mischa Maisky

Als wir vor einiger Zeit für ein Porträt Mischa Maisky in seinem Hause nahe Brüssel trafen, erzählte er uns folgende Anekdote: Gerade hatte er mit Martha Argerich die d-Moll-Sonate von Debussy aufgenommen, live in Japan. Argerich gab im letzten Satz ein höllisches Tempo vor, einige Passagen waren kaum spielbar. »Aber versuche nie Martha zu stoppen! Es gibt ein paar Tricks, das zu kaschieren«. Als Rostropowitsch später mit Argerich dasselbe Stück spielte, beschwerte er sich, dass sie den letzten Satz zu schnell anginge, »das sei ja unspielbar.« Darauf Argerich: »Mischa kann das aber so schnell.« Seit 40 Jahren spielen der Schlawiner Maisky und die melancholische Argerich mittlerweile zusammen, zum Jubiläum gehen die beiden auf eine »40 Years Friendship Tour«. Und wie es sich für ein Kult-Duo gehört, lesen wir zwei Tage vor dem Konzert auf der Website des Veranstalters: »Das detaillierte Programm wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.« 

3. Juli Essen, Philharmonie 
als Teil des Klavier-Festival Ruhr


Bohuslav Martinus fast vergessene Oper Julietta

Die Überschrift zu dieser Veranstaltung ist genau wie das folgende Zitat der famosen Besprechung von Eleonore Büning in der FAZ entnommen:

Diese Musik kann man nicht vergessen, man kann sich aber auch nicht an sie erinnern […]

Das ist nicht nur lustig, sondern gleichzeitig auch ein Merkmal von wirklich guten Musikerlebnis-Nachwirkungen: Man muss es nochmal hören, nicht um den gleichen Kick wieder zu kriegen, sondern, um der Musik näher zu kommen, irgendwie besser zu verstehen, was da passiert ist. Und deswegen empfehlen wir auch ungesehen und wie immer ohne Gewähr dieses gerade verstärkt wiederentdeckt werdende Werk und die Inszenierung an der Frankfurter Oper.

3., 8. und 13. Juli Frankfurt, Opernhaus


 

Rufus Wainwright und Angelika Kirchschlager

Wir haben Rufus Wainwright in Ludwigsburg interviewt, bevor er und die Sopranistin Angelika Kirchschlager das Programm gegeben haben, das nun noch einmal in Wien zu erleben ist. Was ist zu erwarten? Zwei charismatische Entertainer auf der Bühne, die irgendwie Fans voneinander sind, großartig gesungene Songs, wie aus dem Ärmel geschüttelt, und eine Klavierbegleitung, die auf fast magische Art dafür sorgt, dass auch die experimentelleren Anteile des Abends – sie singt seinen Songzyklus, er singt Berlioz – griffig bleiben. 

5. Juli Wien, Staatsoper


 

Aus Russland – das Nomos Quartett bei Musik 21 Niedersachsen

Ich stelle mir ein Stück als einen Körper vor. Ich sehe das Leben des Körpers. Bewegung. Den Atem... Wie er sich ausruht. Tanzt. Ich verwandle mich in diesen Körper. Spüre alle Details. Dann übersetze ich das alles in Noten. (Natalia Pschenitschikova)

In Andante cantabile – Als Tschaikowsky einmal Murakami traf... hat sich Natalia Pschenitschikova (auf dem Bild zu sehen mit Karlheinz Stockhausen 1992 in Moskau, links oben) ein Treffen zwischen dem Komponisten und dem japanischen Künstler vorgestellt. Den Körper, der aus dieser Begegnung entstehen könnte, stellt das Nomos-Quartett in die Luft der neugebauten Musikschule Lüneburgs. Super Programm auch sonst, unter anderem Schnittke und die Große Fuge von Beethoven.

5. Juli Lüneburg, Forum der Musikschule
(im Rahmen von Musik 21 Niedersachsen)


Roboter-Oper

Ein launiges Experiment oder ein geplantes Scheitern? Werner Herzog sagt, die Oper reduziert menschliche Emotionen auf deren Essenz. (Davon handelt aktuell auch das bereits erwähnte Interview mit Rufus Wainwright). Warum also nicht einen (Achtung Unschärfe) selbstlernenden Roboter zwei Jahre mit Alltag und Sternstunden an der Komischen Oper füttern, damit er mehr über menschliche Emotionen lerne als jeder Roboter vor ihm? Am Ende, so deuten die Premierenberichte zu My Square Lady an, langt es noch nicht für eine Opernrolle, die über das Requisitenhafte hinausgeht. Und doch scheint allein die Anwesenheit von Myon, so der Name des leblosen Erbes von Pygmalion und Eliza Doolittle, die Besetzung anzustacheln. Die besteht aus Forschern, Kinderchor, Orchester, Künstlerduo und bringt offenbar eine gute Portion Neugier und Selbstironie mit. 

5. Juli Berlin, Komische Oper


 

Andreas Dresen macht Strauss’ Arabella

Andreas Dresen, der Regisseur von Halbe Treppe, Sommer vorm Balkon und anderen großen deutschsprachigen Kinofilmen: Ist der nicht ein Meister im hellen Tageslicht der Realität, auf echten Straßen, vor echten Häusern? Braucht er nicht die Kamera, um feinste Stimmungs- und Gedankenveränderungen anzudeuten? Baut er nicht ständig improvisierte Szenen ein? Jetzt steht sein Operndebüt bevor, eine Inszenierung von Strauss' Arabella an der Bayerischen Staatsoper: 

Arabella, von ihrer Familie zu einer lukrativen Zweckehe angehalten, beharrt auf der Idee der einen wahren Liebe, beharrt darauf, als wäre dies die letzte Bastion ihrer Selbsterhaltung gegenüber dem Milieu, in dem alles den Bach hinunter geht. (Webseite der Bayerischen Staatsoper)

Und das könnte nun doch ein Dresenstoff sein. Dann fällt einem ein, wie auch Dresens Filme versuchen, immer wieder dahin zu kommen, wo das Geschehen zum Drama wird, die Begebenheit zum Modell. Aber wie ging der Regisseur damit um, dass der Ablauf schon vorgezeichnet war? Ist das Opernmilieu die Höhle des Löwen? Ihr merkt, man kann gespannt sein.

6., 11., 14. und 17. Juli München Staatsoper


 

Waltraud Meier als Isolde

Mild und leise/ wie er lächelt.

Zum letzten Mal wird Waltraud Meier als Isolde von der Bühne auf ein Publikum lächeln, welches spätestens zum sogenannten Liebestod am Ende von Tristan und Isolde in einen Zustand der Entzückung geraten sein wird, welchen so wohl nur die Kombination von Wagner und Waltraud bringen kann.

Seht ihr’s Freunde?/ Seht ihr’s nicht?

… wird sie uns fragen, doch natürlich sehen wir: Mit Waltraud Meier haben wir die wohl menschlichste, facettenreichste aller Isolden auf den Bühnen dieser Welt erleben dürfen. Diese fränkische Mezzosopranistin begeistert nicht nur gesanglich in jeder der von ihr penibel ausgesuchten Rollen. Auch ist jede Geste präzise platziert ohne auswendig gelernt zu wirken. Jeder Blick trägt Bedeutung, ohne aufgesetzt zu sein.

Ertrinken / Versinken / Unbewusst / Höchste Lust

Nun müssen wir also Abschied nehmen von dieser Wohltat – zumindest wenn es um die Rolle der Isolde geht. Lange bleibt einem für die Trauer jedoch keine Zeit, hat sie doch bereits angekündigt im kommenden Jahr ihre letzte Kundry zu singen. In der Staatsoper Berlin unter dem Dirigat von Daniel Barenboim.

8. und 12. Juli München, Staatsoper


 

Bad Herrenalb: Klassik im Kloster

Zwischen Pforzheim und Rastatt gibt es noch mehr als gedacht. Umschlungen von zwei Autobahnverzweigungen schmiegt sich zum Beispiel das Städtchen Bad Herrenalb – den Vorort Frauenalb gibt es auch! – in die hügelige Landschaft des nördlichen Schwarzwaldes. Neben der alten Kurtradition wird hier im städtischen Kloster auch Musik gemacht, seit 10 Jahren. In diesem Jubiläumsjahr stehen Kompositionen der Zeit des Biedermeier im Vordergrund. Ein Blick ins »Paradies« wird im Rahmen der Konzerte auch gewährt. Gemeint ist natürlich die Vorhalle der Klosterkirche.

10. und 11. Juli Bad Herrenalb, Klosterkirche


 

Kirill Gersteins neuer Tschaikowski

Gerstein? Tschaikowskis 1. Klavierkonzert b-Moll op. 23? Da war doch was, oder? Genau, erst ganz viel Wumms, dann eine Neuentdeckung, und jetzt, nachdem der Staub verflogen ist, ganz viel lyrischer Ausdruck. Nachzulesen und nachzuhören im VAN-Artikel von Julia Kaiser.

12. und 13. Juli Stuttgart, Liederhalle (Beethovensaal)


 

Nils Mönkemeyer

Das schöne am Magazinmachen: man lernt pausenlos neue Lieblingsmusik kennen. Dass in letzter Zeit »viel mit Bratsche« dabei war, liegt auch an zwei formidablen Protagonist/innen des Instruments, die beide schon in VAN zu Gast waren: Tabea Zimmermann und Nils Mönkemeyer. Letzterer war einer unserer ersten Gastkolumnisten und befindet sich im Juli im sommerlichen Festivalrausch. Aber das ist nur der Aufgalopp für den August: dann veranstaltet er mit »360°« sein eigenes, dreitägiges Bratschenfestival im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und es gibt, wie wir hören, eine neue CD mit Brahms auf die Ohren.

14. Juli Hamm, Gut Drechen, mit William Youn
16. und 17. Juli Klütz, Schloss Bothmer
18. Juli Kaisheim, Schloss Leitheim, mit William Youn
22.–24. Juli Itzehoe, Rendsburg, Ratzeburg, mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn
26. Juli Hof/Saale, Freiheitshalle
14.–16. August Schloss Ulrichshusen, »360° Viola«


 

Kosmostage im Radialsystem

Das Andromeda Mega Express Orchestra lädt Mitte Juli zu zwei Kosmostagen ins Berliner Radialsystem. Am Freitag eröffnet die Berliner Afrofunk-Band Onom Agemo & The Disco Jumpers zusammen mit der belgischen Vibraphonistin Els Vandeweyer und dem Ensemble Lanaya aus Burkina Faso. Höhepunkt des Abends ist der Auftritt des brasilianischen Jazz-Gurus und Multiinstrumentalisten Hermeto Pascoal. Am zweiten Tag übernimmt das Andromeda Mega Express Orchestra mit Werken von Giacinto Scelsi, Guillaume de Machaut und Carlo Gesualdo sowie Musik aus Mali und Burkina Faso: Die Stücke und Performances fließen ineinander und enden mit einer Sourround-Darbietung der unvollendeten und wohl ambitioniertesten Komposition von Charles Ives – der Universe Symphony, Life Pulse Prelude No. 1. In dem Stück, an dem Ives von 1915 bis 1928 arbeitete, entwickeln sich die Rhythmen aus einfachen Pulsationen der verschiedenen Instrumente.

17. und 18. Juli Berlin, Radialsystem


 

Sommerliche Musiktage Hitzacker

Eines unserer kleinen Lieblingsfestivals wird dieses Jahr 70 und ist damit das älteste Kammermusikfestival Deutschlands. Zum Jubiläum hat Carolin Widmann, in ihrem letzten Jahr als Künstlerische Leiterin, wieder ein Programm mit einem ziemlich klaren Qualitätskompass ausgelotet, in dem statt bunter (Star-)Beliebigkeit jung und alt, zeitgenössisch und klassisch, bekannt und unbekannt gleichberechtigt nebeneinander stehen: Das Trio Catch spielt Brahms und Lachenmann, Christian Tetzlaff und Lars Vogt spielen Brahms und Webern, Kristian Bezuidenhout Mozart auf dem Hammerklavier. Es gibt Chorsingen für alle, Late Night Lounges und Werkstattgespräche mit den Künstler/innen. Schön ist es dort sowieso.

25. Juli bis 2. August Hitzacker, verschiedene Orte


 

jnp-Jubiläum, Fazil Say

Die junge norddeutsche philharmonie (jnp) versteht sich als Netzwerk, welches neben der Orchestermusik auch verstärkt auf der Suche nach Antworten auf aktuelle Probleme und Fragen der klassischen Musikszene ist.

Damit steht das Projekt, gegründet aus ehemaligen Musiker/innen des Landesjugendorchesters Mecklenburg-Vorpommern irgendwo zwischen den Jugendorchestern, »wo man mit 40 Geigen spielt und jeder schwelgt« (Annette zu Castell vom Mahler Chamber Orchestra bei VAN) und: der Routine? Der Vereinzelung in der Gruppe? Dem Dienst nach Vorschrift? Natürlich ist das kein zwangsläufiges Schicksal, aber doch etwas, womit sich berufsmäßige Orchestermusiker/innen irgendwann beschäftigen müssen. Zum fünften Geburtstag setzt die jnp nach eigener Aussage, »einmal mehr auf das, was sie am besten beherrscht: energiegeladene Konzerte und große Emotionen.« Das Motto ist »Klassik knallt«, zu Gast ist der Dirigent Alexander Shelley; dem man Großes nachsagt, was aber angesichts der Adjektivinflation (»der Aufregendste, der Begabteste«) vor Ort überprüft werden sollte. Zu Gast am Piano ist der Schwelger schlechthin: Fazil Say. Zu Gast via Partitur: West Side Story, Rhapsody in Blue, Feuervogel. Klingt, als ob hier was überborden könnte. Wir verlosen Karten zu diesem Konzert auf unserem Sperrsitz.

31. Juli Hamburg, Laeiszhalle

 

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