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VANstaltungen

Die monatliche, subjektive Auswahl von Konzerten, die uns interessieren. Für alle, die ahnen, dass Klassik unmittelbarer, abgründiger, glückseligmachender ist als die Klischees im eigenen Kopf, aber noch nicht wissen, wohin mit diesem Verdacht.

 

Text VAN-Team, mit Mithilfe von Benedikt von Bernstorff und Katharina Fleischer


 

Bartóks Herzog Blaubarts Burg

Kennt ihr die Kolumne vom Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer im Zeit-Magazin? Die großen Fragen der Liebe, Frage: »Muss er/sie alles wissen?« Antwort: »Nein, muss er/sie nicht.« Hätte man auch Judith stecken können: Die verlässt ihre Eltern und folgt dem wortkargen Herzog Blaubart in dessen dunkle Burg, die sie mit Liebe erhellen will. Dafür muss sie aber wissen, was sich hinter den sieben mysteriösen Türen verbirgt. Eine nach dem anderen öffnet Blaubart sie mit wachsendem Unwillen: eine Folterkammer kommt zum Vorschein, eine Waffenkammer, ein Garten, immer tiefer dringt Judith hinein in die Geheimnisse seiner Seele, tatsächlich wird es heller, aber dann … ach, wir wollen nicht zu viel verraten. Nur so viel: Dem symbolistischen Libretto folgt Bartók auch musikalisch in die Abgründe der emotionalen Gemäuer. Man kann sich dieser Musik fast nicht zu lange aussetzen, Bartóks Kollege Zoltán Kodály bezeichnte sie als »einen Vulkan, der mit tragischer Intensität 60 Minuten lang ausbricht.« Dass Iván Fischer diese Musik liegt, hat er mit einer Einspielung und diversen Aufführungen bewiesen. Die nächste folgt im Juni konzertant im Konzerthaus. Auch die Komische Oper hat Herzog Blaubarts Burg gerade in einer Inszenierung von Calixto Bieito auf dem Spielplan (läuft wieder im Juli), mit einem grandiosen Gidon Saks als Blaubart; ebenso wie das Hessische Staatstheater Wiesbaden.

3., 10., 14. und 21. Juni Wiesbaden, Staatstheater
12. und 13. Juni Berlin, Konzerthaus
8. Juli Berlin, Komische Oper


 

(Songs for) Lulu

Lulu ist eine Frau, die so schön ist, dass sich um sie herum automatisch ungute Dinge ereignen. In Wahrheit ist es komplizierter, weil es in einer Gesellschaft, die nicht gut mit ihrer Sexualität umgehen kann, kompliziert werden muss. Unter anderem davon handeln die Bücher von Frank Wedekind, Der Erdgeist und Die Büchse der Pandora. Alban Berg vertont die Geschichte von Betörung und Zerstörung, und plötzlich wird um ihn herum Betörung (20er Jahre) zu Zerstörung (30er Jahre), und er kann nicht weitermachen. Von hier aus kann man einer Spur folgen: Lulu taucht auf in einem Stummfilm, dessen Protagonistin sie ist. Die Schauspielerin Louise Brooks wurde zu einem Teil des Mythos und als solcher vielfach geehrt und zitiert: Von der 80er-Jahre-Band Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD: Pandora's Box), von – Youtube, du Monster – Lou Reed und Metallica und von Rufus Wainwright mit dem Songzyklus Songs for Lulu. Auch in den Pop- und Rockmagazinen war daraufhin zu lesen, man müsse sich vielleicht doch mal Die Winterreise anhören, um irgendwie zu verstehen, was das denn sei, so ein Lied, Songs seien das ja nicht.

Ein Drang nach dem Schreiben dieser Zeilen: in diesen Mythos eintauchen. Zwei Gelegenheiten seien herausgegriffen: Bergs Oper in München und Rufus Wainwrights Auftritt in Ludwigsburg, wo er allerdings Angelika Kirchschlager seine Songs/Lieder singen lässt.

Lulu: 3., 6. und 10. Juni München, Staatsoper
Wainwright, Kirchschlager: 14. Juni Ludwigsburg, Theatersaal


 

Schumann-Fest Zwickau

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich ... von solch edler Romantik kann man heute noch träumen. Das Auf und Ab im Hause Schumann scheint an der Oberfläche Zeichen einer aufregenden Liebesbeziehung zu sein. Sieht man genauer hin, war da auch viel Zwang, viel Kontrolle und eher wenig Romantik, warum ging Schumann zum Beispiel auf Zehenspitzen im Haus herum, wie uns Jörg Widmann erzählt hatmusste er vielleicht? 

Dafür aber diese Musik. Das Schumann-Fest Zwickau bringt alles ins Ohr – Robert, Clara und die Beziehung. 

4.–14. Juni Zwickau, diverse Orte


 

Jörg Widmann

Foto: Marco Borggreve

Jörg Widmann ist im Moment einer der großen Lieblinge der zeitgenössischen Musik. Festivals, Dirigenten, Preise, alle zieht der Komponist und Klarinettist in Personalunion magisch an, selbst in China: beim Beijing Modern Music Festival ist er dieses Jahr artist in residence. Zuvor hat er aber mit VAN über – ihr habt es gelesen – Robert Schumann, gesprochen: »Ich würde behaupten, dass es eigentlich in jedem meiner Stücke eine Stelle gibt, die eine Schumann-Hommage ist.« Wer dazu selber Nachforschungen anstellen will, dem bieten sich im Juni einige gute Gelegenheiten: Die Berliner Philharmoniker spielen Widmanns Stück »Teufel Amor«, Valery Gergiev dirigiert die Konzertouvertüre Con brio, die auch in Hamburg auf dem Programm steht, und in Wien, Würzburg und Köln spielt der Klarinettist Widmann Kammermusik von Mozart, Reger … und Widmann. 

Teufel Amor: 5., 6. und 7. Juni Berlin, Philharmonie
Con brio: 8. Juni Berlin, Konzerthaus25. Juni Hamburg, Laeiszhalle
Mit dem Hagen-Quartett: 19.6. Wien, 24.6. Köln
Mit dem Apollon Musagète Quartett: 23.6. Würzburg, Residenz/Kaisersaal


Werner Herzog

Apropos »dunkle Winkel unserer Seele«, dabei fällt uns Werner Herzog ein, der gerne darüber grantelt, dass

die Selbstanalyse ein schrecklicher Fehler unserer jetzigen Zivilisation ist. Weil jeder dunkle Winkel unserer Seele unbedingt ausgeleuchtet werden muss. Aber eine Wohnung, die bis zum letzten Winkel ausgeleuchtet ist, wird unbewohnbar. Und Menschen, die durch Psychoanalyse bis in den letzten Winkel erforscht sind, werden unbewohnbare Menschen. Mit denen kann ich nicht mehr umgehen, und mit denen will ich auch nicht mehr umgehen. In ihrer Größenordnung ist die Katastrophe der Psychoanalyse vergleichbar mit der spanischen Inquisition. Die Inquisition wollte nämlich die Erklärung der Glaubensinhalte, ausgeleuchtet bis in den letzten Winkel. Auch die muslimischen Elemente, die wohl noch versteckt in Spanien herumschwirrten, wollte man ausjäten. Und die Psychoanalyse ist genauso schlimm. (zeit.de)

Was das alles mit Musik zu tun hat? Als Hommage an den niederländischen Maler und Radierer Hercules Pieterszoon Seghers schuf Herzog für die New Yorker Whitney-Biennale 2012 seine 18-minütige Hearsay of the Soul (Hörensagen der Seele), die nun im Kölner Wallraf-Richartz-Museum ihre Europapremiere erlebt. Die suggestive Musik des Komponisten und Cellisten Ernst Reijseger macht die Motive dort erst recht zu Seelenlandschaften.

Bis 12. Juli Köln, Wallraf-Richartz-Museum


 

Thom Yorke / John Cage

Für eine Ausstellung des Grafik-Künstlers Stanley Donwood hat der großartige Thom Yorke von Radiohead ein 18 Tage langes Musikstück komponiert, 

an eerie mix of ambient textures, experimental sounds, and field recordings (abc.net)

… zu der Zeit nicht in Australien? Dann vielleicht einfach mal wieder in Halberstadt reinschauen.

noch 197337800 Sekunden in Halberstadt


 

Kammeroper in der Kolumba

Foto: Klaus Lefebvre

Kurz bevor die Kölner Oper Ende 2015 wieder in die Kölner Oper einziehen kann, wird noch eine neue Spielstätte ausprobiert, nämlich das Museum Kolumba. Hier hat der Architekt Peter Zumthor auf dem Grund einer zerstörten Kirche einen offenporigen, weisen Bau geschaffen. Im Juni gibt es darin an wenigen Abenden die Kammeroper Sãvitri von Gustav Holst und das Tagebuch eines Verschollenen von Leoš Janáček. Sänger/innen und Klavierklänge geistern zur Liebesgeschichte des Verschollenen in einer Ausgrabungsstätte umher, den Fundamenten einer zerstörten romanischen Kirche. Es ist schön dunkel, die Lichtstrahlen spielen ihr eigenes Spiel, die Girlanden von Janáček mal schöne Volksweise, mal halbe Zwölftonreihen, sind Geister, so nah sie auch manchmal sein mögen; dasselbe gilt für die Sänger. Es gibt sekundenlange Echos, manchmal auch Straßenlärm.

Das Publikum wird den Ort wechseln und bei Holst ist die Straße nicht mehr zu hören, dafür erklingen unsichtbare Chöre von noch weiter her als zuvor, Sängerstimmen aus anderen Stockwerken, alles tritt miteinander in Beziehung über Raum und Zeit (die der Schall braucht) hinweg. Das heißt Kammeroper – auch Janáčeks Tagebuch ist eigentlich eine Oper, halt mit Klavier – aber die Kammern sind größer und weiter und höher als in großen Opernhäusern. Wer hingeht, Glück hat und eine der fast verschollenen Karten ergattert, erlebt Räume, die sich öffnen und weiten, und Musik, die noch die engsten Blutbahnen bespielt.

4., 6., 7., 10., 13. und 16. Juni Köln, Museum Kolumba


 

Jean-Guihen Queyras spielt Bachs Cellosuiten

Für Pablo Casals waren Bachs Cellosuiten »die Quintessenz Bachs«. Rostropowitsch bekannte: »Ohne Bach gibt es kein Leben für mich« und spielte die Bach-Suiten zwei Tage nach dem Fall der Mauer am Checkpoint Charlie, wo sich dann musikalischer und historischer Weltgeist paaren sollten. Mischa Maisky gab zu Protokoll: »Wenn Musik meine Religion ist, dann sind die sechs Suiten meine Bibel.« (VAN)

Das Werk hat das Instrument Cello nicht nur ausgelotet, sondern neu erfunden. Dutzende Cellisten haben diesen Gipfel, irgendwo zwischen Alpe D'Huez und Himalaya, in Aufnahmen erklommen. Ein paar davon könnt ihr in unserem jüngsten Aufnahmenvergleich hören, darunter auch die Einspielug von Jean-Guihen Queyras. Es scheint uns, dass wenige die Bach-Suiten im Moment überzeugender spielen, aber macht euch selbst ein Bild. 

9. Juni Bochum, Stiepeler Dorfkirche


aDevantgarde.13

»Humus«? Nein, hier ist nicht der orientalische Dip aus Kichererbsen und Sesampaste gemeint. Der schreibt sich mit zwei »m«. Das aDevantgarde Festival bezieht sich mit »Humus« auf den Nährboden – oder sollte man sagen: den Kompost – der Neuen Musik. Kurtág, Ligeti, Cage – das kennt man vielleicht noch. Doch was haben Mittelalter, Indien und Afrika mit Neuer Musik zu tun? Und warum ist das Ganze so aktuell? Fragen, die das aDevantgarde Festival und seine Komponisten stellen. Hummus gibt es auf den anschließenden ade-lounges vielleicht auch, diesmal mit Brot. Das Festival heißt »the composers festival«, in residence ist dennoch ein Ensemble, das Ensemble Schwerpunkt.

9.–15. Juni 2015 München, diverse Orte


 

Barbara Hannigan

Barbara Hannigan, dürfen wir bitte bald ein Interview mir dir führen? Du singst und dirigierst, beides auch innnerhalb ein und desselben Werkes, zum Beispiel demnächst in Mahlers 4. Sinfonie, kürzlich schon Mozart. Wie eine Bandleaderin. Wo wir schon auf Youtube sind: Oh, wie es dir um die Show geht! Aber in bester nordamerikanischer Tradition: untrennbar mit Skills und Übung verbunden, wie Schauspieler oder große Talk Show Hosts oder … kennst du eigentlich Anke Engelke? Jemand kommentiert:

je suis pas pour le contemporain mais là je dit bravo (Ich bin nicht so fürs Zeitgenössische, aber hier sage ich Bravo)

Das sagen sie alle. Man sagt auch, du könntest Grenzen einreißen, also wirklich. In der »Late Night« wirst du dich mit Simon Rattle bei Sprechrolle und Dirigat abwechseln, klar. Façade – ein Werk des britischen Komponisten William Walton, enfant terrible aber auch Order of Merit, was auch dein Ding zu sein scheint. Zwei Wochen später gibst du dann den Solopart in der deutschen Erstaufführung von Unsuk Chins Le Silence des Sirènes.

12. Juni Berlin, Philharmonie
24. und 25. Juni Berlin, Philharmonie


 

Bachfest Leipzig

Apropos Bach, apropos Casals: Jeden Tag begann der Katalane mit Bach. Wer gerade kein Instrument zur Hand oder lärmempfindliche Nachbarn hat, für den bietet sich vielleicht als rituelle Alternative an: Kein Monat ohne ein Bach-Konzert. Im Juni bietet sich dafür das Leipziger Bachfest an, die Mutter aller Bach-Mottoparties, das es bereits seit 1908 gibt. In Gewandhaus, Nikolaikirche, auf dem Marktplatz, der Moritzbastei und natürlich in der Thomaskirche musizieren Bachfans wie Philippe Herreweghe und John Eliot Gardiner und Bachs gar eigener Thomanerchor in soli bach gloria.

12.–21. Juni Leipzig, diverse Orte


 

Infektion! – Festival für Neues Musiktheater

Zum fünften Mal gibt es im Juni »Infektion!«, das Festival für Neues Musiktheater an der Berliner Staatsoper. Im Mittelpunkt steht dieses Jahr »Fluxus reloaded«: 

Dazu wird in den ersten zwei Wochen des Festivals in der Werkstatt als Premiere Karlheinz Stockhausens ORIGINALE gezeigt, Europeras 3 & 4 von John Cage, eine Fluxus-Installation von Thomas Goerge, die Uraufführung von Cabinet des curiosites von Jef Chippewa mit dem Ensemble Lux:nm sowie weitere Konzerte und Performances mit dem Miranda Quartett, der Performerin Judith Hummel und dem Kontrabassisten Christopher Williams.

»Wenn Du es definieren kannst, ist es kein Fluxus«, sagte der Dichter Emmett Williams. Wir vermuten: Das kann dem alten Schlachtross Oper nur gut tun.

14. Juni bis 1. Juli Berlin, Staatsoper im Schillertheater


 

Schostakowitsch Tage Gohrisch

Wie war das nochmal mit diesem Festival?

1960 war Dmitri Schostakowitsch in Dresden, um für den Film Fünf Tage – fünf Nächte von Lew Arnstam die Filmmusik zu schreiben. Für eine ungestörte Arbeit fuhr er vom 9. bis zum 15. Juli 1960 in den Kurort Gohrisch, wo der Ministerrat der DDR ein Gästehaus unterhielt. Statt Filmmusik komponierte er dort sein 8. Streichquartett c-Moll op. 110, eines seiner persönlichsten, aufwühlendsten Werke, geprägt von der Zerstörung Dresdens und der Angst vor Stalins Willkür. Das Gästehaus heißt heute »Parkhotel Albrechtshof«. […] Dmitri S. schrieb: »Die Gegend ist unerhört schön. Übrigens gehört sich das für sie auch so: Die Gegend nennt sich ›Sächsische Schweiz‹«.

… gerade erst geschrieben, für die VANstaltungen des September 2014 nämlich, und schon wieder ist es soweit. Der Kontext für das Schostakowitsch Entdecken wird in diesem Jahr durch zwei weitere Komponisten geprägt; auf der Neuentdecktenstation der wegen adliger Abstammung vom Stalin-Regime unterdrückte Russe Wsewolod Petrowitsch Saderazki, ein Zeitgenosse Schostakowitschs, von dem aber zu Lebzeiten weder etwas gedruckt noch aufgeführt wurde, und Arvo Pärt, dem man den erklärten Schostakowitsch-Einfluss in den späteren Werken nicht mehr so anhört wie zu Beginn seiner Laufbahn. Es gibt von allen dreien Ur- und deutsche Erstaufführungen, zu den illustreren Gästen in der sächsischen Schweiz zählen Andreas Scholl und – Star als Mannschaft – die Sächsische Staatskapelle. 

19–21. Juni Gohrisch, diverse Orte


Sommerkonzerte Volkenroda

Die Architektur zielt auf Dauer, das Ausdrucksmedium der Musik, der Klang, ist durch seine Endlichkeit und Flüchtigkeit definiert. So stark sich Ton- und Baukunst durch ihre Materialien unterscheiden, so sehr sind sie aufeinander angewiesen. Besonders gilt das natürlich für die sakrale Musik, die immer schon im Hinblick auf die akustischen und räumlichen Gegebenheiten der Kathedralen und Kirchen entworfen wurde. 

Mit dem Zusammenspiel von Musik, Religion und Architektur beschäftigen sich Ende Juni die Sommerkonzerte Volkenroda bereits zum vierten Mal. Das Festival geht auf eine Initiative der Erfurter Bürger und der ökumenischen Bruderschaft des zwischen Göttingen und Erfurt gelegenen Klosters zurück. Die auftretenden Musiker sind Mitglieder von Klangkörpern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Bayerischen Staatsorchester und dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg. Die wunderschöne Klosteranlage lag zu DDR-Zeiten naturgemäß brach, wurde aber nach der Wende aufwändig restauriert, für die Weltausstellung im Jahre 2000 schuf Meinhard von Gerkan, Schirmherr der Sommerkonzerte, den Christus-Pavillon, der dem Festival als Konzertsaal dient. In diesem Jahr steht neben einer Podiumsdiskussion zum Thema »Zeit und Unendlichkeit« eine szenische Aufführung von Strawinskis Feuervogel-Ballett mit Schülern der Staatlichen Ballettschule Berlin und der Schule für Artistik auf dem Programm. Außerdem sind zwei spektakuläre Quartettkompositionen des 20. Jahrhunderts zu erleben: Olivier Messiaens Quatuor pour la fin du temps, das der katholische Komponist im deutschen Kriegsgefangenenlager schrieb, sowie George Crumbs Black Angels für elektronisches Streichquartett, das mit seinen Hubschrauberklängen als Reflexion der Vietnam-Kriegszeit gedeutet worden ist. (Neue-Musik-Fans kennen die Black Angels aus der berühmten Aufnahme des Kronos-Quartetts). 

27. und 28. Juni Volkenroda


 

Dritte Mahler

In seinem Text für VAN erzählt Arno Lücker, wie Mahlers 3. Sinfonie von der ganzen Welt handelt, den Jahreszeiten, der Natur, den Gefühlen und schließlich der Ahnung, dass es sich nur um ein Spiel handelt. Ein stufenweiser Aufstieg durch die Existenz ist es, deren Stufen für Mahler ursprünglich die Wiesenblumen, die Tiere des Waldes, die Nacht, die Glocken und die Liebe waren. Dieses Konzept wurde dann aber noch aufgestockt, ähnlich der Besetzung: In Berlin besteht diese Ende Juni aus der Staatskapelle, Okka von der Damerau (Alt), einem Frauen- und einem Kinderchor (beide vom Chor der Staatsoper) und Zubin Mehta.

Die Dimensionen führen aber immer wieder zurück auf das Bewusstsein eines einzelnen Menschen. Schönberg schrieb an Mahler nach einer Aufführung im Dezember 1904:

Um dem unerhörten Eindruck, den mir Ihre Symphonie gemacht hat, einigermaßen beizukommen, [...], muss ich wie der Mensch zum Menschen reden. Denn: Ich habe ihre Seele gesehen, nackt splitternackt […] Ich empfand sie wie ein Naturereignis.

29. und 30. Juni Berlin, Philharmonie und Konzerthaus


 

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