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VANstaltungen

Die monatliche, subjektive Auswahl von Konzerten, die uns interessieren. Für alle, die ahnen, dass Klassik unmittelbarer, abgründiger, glückseligmachender ist als die Klischees im eigenen Kopf, aber noch nicht wissen, wohin mit diesem Verdacht.

 


Berliner Klavierfestival

Mein Klavierlehrer hat immer gesagt, wenn man Klavier spielt, sollte man vielleicht noch ein Blasinstrument spielen, weil da der Ton mehr aus dem Körper kommt. Stimmt schon, dass das Klavier ein bisschen indirekt ist, vielleicht für Angehörige anderer Kulturen oder Bewohner anderer Planeten ein kleines bisschen geschummelt wirkt. »Der Sinn des Klavieres ist es mit einem Musikanten ein ganzes Orchester zu ersetzen», realisierte vor 150 Jahren der amerikanische Autor William Dean Howells. »Ein Onkel, der Gutes mitbringt, ist besser als eine Tante, die bloß Klavier spielt«, kritzelte Wilhelm Busch hin.

Wenn man sich all dieser Voraussetzungen aber bewusst ist – und die meisten Klavierspieler/innen sind es sich – dann kann das entstehen, was man gemeinhin ein gutes Klavierkonzert nennt, ein schwebendes Zwischending, ein Sog, eine Quelle, aus der man jeden Tropfen trinkt. Dann ist Virtuosentum kein Ornament, sondern Übersetzung musikalischen Geistes, und das bringt es hin und wieder enorm. Im Mittelpunkt des achttägigen Klavierfestivals im Kleinen Saal des Berliner Konzerthauses steht das Werk des vielleicht ein wenig narzisstischen Visionärs Alexander Skrjabin, der selbst gewiss nicht seinen 100. Todestag feiert. Für ihn war ein Klavier, wenn er ehrlich war, immer noch zu wenig, er wollte ein Farbklavier, um LSD-ähnliche Erfahrungen im Konzertsaal zu vermitteln. Aber auch seine »normalen« Kompositionen laden zur inneren Reise ein. Vom Ausgangsmaterial etwas weniger expressiv, aber unbedingt hörenswert sind Konstantin Lifschitz' Interpretationen der Goldberg-Variationen. Am meisten freuen wir uns aber auf den großartigen Marc-André Hamelin und sein Programm mit Haydn, Field, Godowsky, Debussy und Liszt.

4.–12. Mai Berlin Konzerthaus


 

Haydn-Nächte

Geschmäht, belächelt, unterschätzt, von der Romantik herablassend »Papa« genannt: lieber Kerl, gutes Herz, aber auch ein bisschen naiv und langweilig. Die letzten 200 Jahre Musikgeschichte haben Joseph Haydn teils übel mitgespielt. Zu seinem 300. Geburtstag im Jahr 2032 will ihm die Joseph Haydn Stiftung Basel nun ein besonderes Geschenk machen: »seine Bedeutung innerhalb der Musikgeschichte ins richtige Licht rücken und das allgemeine Haydn-Bild grundlegend revidieren.« Gelingen soll dies mit der »europaweiten Aufführung und Einspielung aller 107 Sinfonien« bis zum Jubiläumsjahr. Eingebettet ist das Projekt Haydn2032 in allerlei add-ons, lange Nächte, Fotostrecken und Lesungen. Dabei zeigen schon die ersten beiden Aufnahmen La Passione und Il Filosofo: Wenn Haydn so gespielt wird wie vom Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini, kann die Musik auch ganz für sich alleine stehen. Es könnte also lohnenswert sein, sich für eine Haydn-Nacht in die Martinskirche Basel, das Berliner Radialsystem oder Haydns alte Wirkungsstätte, Schloss Esterházy, aufzumachen. Gestern noch Papa, morgen schon der coole Hund, so schnell kann es nämlich manchmal gehen. 

6. Mai Basel, Martinskirche
8. Mai Berlin, Radialsystem
9. Mai Eisenstadt, Schloss Esterházy


 

Aus Chicago: ein Livestream der 9. Sinfonie

Die einen sagen:

Die 9. Sinfonie ist staatstragend überladen und wird ständig profanisiert. Wieso soll ich mich auf eine musikalische Reise einlassen, an deren Ende eine Melodie steht, die ich wahrscheinlich das erst Mal aus einem Gameboy in 8-Bit-Qualität gehört habe, wenn es sonst noch so vieles zu entdecken gibt?

(Andreas Thiesen, VAN-Autor)

Die anderen sagen:

Die ganze Bandbreite unserer menschlichen Existenz ist hier in Musik festgehalten. Wir alle erkennen doch irgendwann, dass wir unvollständig bleiben werden, fragmentiert, und dass wir in einer verwirrenden und undurchschaubaren Umgebung existieren. Wir spüren aber auch unsere Sehnsucht nach Zusammenhängen, nach Transzendenz; suchen immer ein ›wahres Zuhause‹, das uns gleichzeitig anzieht und täuscht: Es weicht zurück, je näher wir ihm kommen. Beethoven setzt in der 9. Sinfonie Akzente auf die Verzweiflung, die Enttäuschung, sogar das nackte Grauen, und dann bringt er diese Emotionen in Balance mit seinen musikalischen Ausdrucksmitteln, mit seinem edlen und lebensbejahenden künstlerischen Schaffen; schließlich endet er in Freude.

(Der Dokumentarfilmer Kerry Candaele in VAN. Candaele hat den Film Following the Ninth hier der Trailer – gedreht, in dem die globale Bedeutung der 9. Sinfonie nachgezeichnet wird.)

Wir sagen:

Es gibt am 7. Mai zum Jahrestag der Uraufführung von 1824 diesen Livestream, der ist eine gute Gelegenheit, sich mit Kopfhörer oder einer guten Stereoanlage einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Es spielen das Chicago Symphony Orchestra unter Riccardo Muti. Da der Komponist vor 191 Jahren ziemlich schlecht gelaunt die ganze Zeit an die seiner Meinung nach viel zu geringen Eintrittsgeld-Erlöse gedacht hat, könnte er selbst mit dem Hashtag #sharethejoy und einem kostenlosen Livestream vermutlich eher wenig anfangen. 

7. Mai in einem Internet in deiner Nähe


 

Smetana: Má Vlast, NDR Sinfonieorchester, Hengelbrock

Aus Hamburg erreicht uns folgende Nachricht: »One-Hit-Wonder? Pustekuchen! Bach oder Smetana - Hauptsache es fließt.«

7.–10. Mai Hamburg, Wilhelmshaven, Wismar, Hamburg


 

Luigi Nono an der Staatsoper Berlin

Vielleicht sind viele Stücke von Luigi Nono das Ergebnis des Willens, angesichts unermesslichen menschlichen Leides ein fühlender Mensch zu bleiben. Und vielleicht ist dies das Bewegende an Nonos Musik, dass das Bewusstsein sich ausweiten darf, dass Wegschauen nicht gilt, aber Verzweifeln oder Verbittern eben auch nicht, dass es möglich ist, tiefer in den Schmerz zu gehen, ohne die Möglichkeit von Schönheit zu verleugnen. Vielleicht ist das die Brücke zwischen »Revolution und Schönheit«, dies der Titel der Reihe, in der die Berliner Staatsoper Nonos Werk in drei Veranstaltungen, unter anderem mit Ingo Metzmacher, dem Ensemble Modern Frankfurt und dem Arditti Quartet würdigt. 

8. und 9. Mai Berlin, Staatsoper (Konzert, FilmvorführungKonzert)


Herheim inszeniert Händels Xerxes

Vergnüglich und überbordend, knallig und phantasievoll, allenthalben barock und dabei nie unterkomplex: Stefan Herheims Xerxes, unter der musikalischen Leitung von Konrad Junghänel und mit Valer Sabadus als Serse ist im Mai konkurrenzlos auf dem Markt der Händel-Inszenierungen.

8. und 10. Mai Düsseldorf, Opernhaus


 

Beat Furrer: la bianca notte / die helle nacht an der Hamburgischen Staatsoper

Während im Schauspiel regelmäßig die Klassiker Goethes und Schillers von Texten zeitgenössischer Autoren in den Aufführungszahlen übertroffen werden, findet sich in der Liste der 50 meistgespielten Musiktheaterwerke keines, das in den letzten 80 Jahren entstand. Man könnte denken, dass die Oper mit der Jahrhundertwende als schöpferische Gattung eines natürlichen Todes gestorben ist. Die Oper muss sich bemühen, den Rückstand, in den ihr Repertoire gelangt ist, aufzuholen, indem sie sich kontinuierlich zeitgenössischen Werken zuwendet, von denen viele nach ihrer Uraufführung in der Versenkung verschwinden

schreibt Roman Reeger in VAN. Die Hamburgische Staatsoper macht im Mai einmal einen ersten Schritt mit der Uraufführung von Beat Furrers la bianca notte / die helle nacht in der Inszenierung von Ramin Gray. Sujet des Auftragswerkes ist der italienische Dichter Dino Campana (1885–1932) und seine Orphischen Gesänge (Canti orfici). Die Person und das Werk beschäftigen Furrer schon viele Jahre: 

Campana war wahrscheinlich der einzige der italienischen Schriftsteller seiner Zeit, der die neuen futuristischen Ideen mit einer großen poetischen Kraft und einer starken Verbindung zur Vergangenheit der italienischen und französischen Literatur zum Leben zu erwecken im Stande war. Seine Dichtung hat die Moden ihrer Zeit überlebt.

… schreibt Beat Furrer anlässlich der Uraufführung von vier in Musik gesetzten Gedichten aus den Canti orfici, die letztes Jahr vom Klangforum Wien im Rahmen der musica viva München uraufgeführt wurden.

Sieben Vorstellungen im Mai, Hamburg, Staatsoper


 

Musica Viva

Im letzten Konzert der musica viva-Saison 2014/15 dirigiert Matthias Pintscher, erstmals am Pult beim BR Symphonieorchester, zwei Uraufführungen: Miroslav Srnkas move 01 und move 02 für großes Orchester und Enno Poppes Ich kann mich an nichts erinnern für Chor, Orgel und Orchester nach Texten von Marcel Beyer.

Was Enno Poppe über Uraufführungen und das Zusammenspiel von Komponist und Interpret zu sagen hat, könnt ihr lesen im Interview mit ihm und der Bratschistin Tabea Zimmermann anlässlich der Uraufführung von Poppes Werk Filz, hier geht es zum Artikel Filzy Business.

8. Mai München, Herkulessaal


Berlin goes Wunderkind

Mozart macht allen gute Laune, der Komischen Oper kommt er im Wonnemonat damit gerade recht: Im »Mozart-Mai« gibt's die Opernrarität Lucia Silla konzertant, Herbert Fritschs Don Giovanni, die Wiederaufnahme von Alvis Hermanis Inszenierung von Così fan tutte und Barry Koskys fast schon legendäre Zauberflöte im ewig-modernen 1920er-Stil. (Trailer) Daneben gibts ein Sinfonie- und ein Nachtkonzert mit weiteren Mozart-Schmankerln.

Das Konzerthaus veranstaltet unter des Wunderkinds gar eigenem Motto »Scheiss’ ins Bett dass’ kracht« einen Mozart-Marathon im ganzen Haus; es gibt mehr als man hören kann. Die Idee gefällt uns, ein Festival-Museums-Jahrmarkt für Musik.

Den ganzen Mai an der Komischen Oper in Berlin
10. Mai Mozart-Marathon, Berlin, Konzerthaus


 

Mitsuko Uchida

Beim Mozart-Marathon im Konzerthaus ist auch mal wieder eine unserer all time favorites Mitsuko Uchida zu Gast, sie spielt mit dem ortskundigen Konzerthausorchester unter Iván Fischer Mozarts Klavierkonzert Nr. 24. Die Karten werden knapp, wie wir gerade sehen, aber für Uchida lohnt sich auch der Schwarzmarkt oder ein Abstecher nach Wien, Paris oder Köln, wo die zur Dame Geadelte im Mai die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kožená in einem Lied-Recital begleitet. Dort kann man dann seine Gehörgänge auch von der Überdosis Mozart wieder entlasten: Es gibt Schumann (Gedichte der Königin Maria Stuart), Mahlers Rückertlieder, Debussy (Ariettes Oubliées) und Messiaens Poèmes pour Mi.

9. und 10. Mai Berlin, Konzerthaus
27. Mai Wien, Staatsoper
29. Mai Paris, Théâtre des Champs-Elysées
31. Mai Köln, Philharmonie


 

»2 x Hören« mit Schnittke und Alban Gerhardt

Arno Lücker, im Nebenfach VAN-Autor, präsentiert die Reihe im Konzerthaus Berlin, bei der ein Stück gespielt wird, bevor man ein wenig darüber plaudert und es schließlich noch einmal spielt.  Alfred Schnittkes 1. Cellosonate liefert einen guten Grund, auf diese Veranstaltung einmal wieder hinzuweisen. Wer mehr über Schnittke, eines unserer musikalischen Lieblingsgenies, lesen will, dem sei das Interview mit seinem Verleger Jürgen Köchel empfohlen. Alban Gerhardt ist im Moment einer der interessantesten Cellisten, und damit meinen wir: Er hat auch wirklich etwas zu sagen. Insofern könnte das sehr gut werden. Begleitet wird er vom Pianisten Markus Becker.

11.5. Berlin, Konzerthaus/Werner Otto Saal


 

Ari Benjamin Meyers

Der zeitgenössische Komponist hat sich zwangsläufig auf den gleichen Markt wie alle andere Musik begeben. Die Möglichkeit zu sagen: ›Ich bin zeitgenössischer Künstler und ich arbeite mit Musik‹, die existiert bisher nicht. Stattdessen sagt man: ›Hier ist mein neues Stück für Orchester, und ich bin super glücklich und dankbar, wenn die Berliner Philharmoniker das spielen‹. Das findet dann aber in deren Konzertsaal statt, vorher gibt es vielleicht eine Ouvertüre von Beethoven, dann die Uraufführung, die von den Leuten, die da sind, kaum jemanden hören will, außer vielleicht der Komponist und seine Freunde, danach kommt der große Starsolist. Nach 15 Minuten ist das Stück vorbei, vielleicht hat man es kapiert, vielleicht nicht. Aber was machst du, wenn du es noch mal erleben willst? Vielleicht gibt es noch eine Aufführung am nächsten Tag, vielleicht eine Aufnahme, aber in den meisten Fällen verschwindet es. Das ganze Format und die Präsentation ist falsch, und wir haben uns keinen Gefallen getan, über die letzten 30, 40 Jahre daran festzuhalten. 

Solches erzählt Ari Benjamin Meyers im VAN-Interview. Wir sind gespannt, wie es seinem Stück Symphony X13B ergeht, wenn es im Mai in der Konzerthöhle des Löwen von den Brandenburger Sinfonikern uraufgeführt wird. 

16. Mai Brandenburg, Theater, Großes Haus


Jordi Savall

Auch so einer, den man mal gesehen und gehört haben muss. Ein echter Pionier, ein Freak im besten Sinn und ein veritabler Superstar der Klassikszene: ohne eigene Parfümserie, dafür aber mit richtiger Fangemeinde. Und in der katalanischen Heimat ein lebender Nationalheld. Und auch die Webseite seines Labels Alia Vox muss zu einer Zeit entstanden sein, als es eigentlich noch gar kein Internet gab. Der Gambist, Ensemblegründer, Musik- und Instrumententdecker Jordi Savall ist im Mai zu Gast bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Mit seinem Ensemble Hespèrion XXI verfolgt er die Reise von Musikern aus dem alten Hispanien nach Mittel- und Südamerika und von dort retour in die Alte Welt. So verbreitete sich ein aus Aragonien stammendes Thema durch spanische Seefahrer in Mexiko und entwickelte sich dort zu einem populären Tanz (Folia), der Jahre später vermutlich durch einen Sklaventransport wieder an der andalusischen Küste landete.

17. Mai Ludwigsburg, Ordenssaal Residenzschloss


Nico Muhly / Yannick Nézet-Séguin / Philadelphia Orchestra

An kaum einer anderen Person lassen sich die Unterschiede zwischen den zeitgenössischen Kunstmusikszenen so gut festmachen wie an Nico Muhly. Jenseits des Atlantik ist der Philip-Glass-Schüler Kraftzentrum und kollaborativer Fixpunkt einer ganzen Szene. Er ist Mitbegründer des isländischen Labels und Musikkollektivs »Bedroom Community«. Er schreibt Arrrangements für Björk, Grizzly Bear, Jonsi und Antony and the Johnsons, Opern für die Met und auch unterhaltsam in seinen Blog hinein, zum Beispiel über das Etikett Indie-Classical, das ihm und den seinen aufgepropft wird, oder das neue Beyoncé-Album. Dies alles macht ihn in der Heimat von Darmstadt und Donaueschingen natürlich ziemlich verdächtig, es wird auch nicht besser durch die Tatsache, dass Muhly 47.200 Follower auf Twitter hat. Und hierzulande hat es Minimal-und Drone-Musik ohnehin schwerer als in New York, London, Amsterdam, Warschau … ach, sagen wir einfach: im Rest der Welt. Nach ihrem battle of pets nimmt Yannick Nézet-Séguin mit seinem Philadephia Orchestra Muhlys Mixed Messages nun Huckepack auf seine dreiwöchige Europa-Tour, bei der ansonsten noch Schostakowitsch, Richard Strauss, Rachmaninow, Beethoven, sowie – in personae – Emanuel Ax, Lisa Batiashvili und Jan Lisiecki im Gepäck sind. Wir haben für euch Karten aufgetrieben, die gibt's drüben auf dem Sperrsitz. Im Juni ist Muhly dann selbst zu Gast in Köln: er dirigiert die Britten Sinfonia und neben Strawinski, Vivaldi und Britten auch ein neues eigenes Stück, Sentences.

21. und 22. Mai Luxemburg, Philharmonie
23. Mai Köln, Philharmonie
24. Mai Dresden, Semperoper
26. Mai Berlin, Konzerthaus
27. und 28. Mai Dortmund, Konzerthaus
1. und 2. Juni Wien, Musikverein
21. Juni Köln, Philharmonie, Muhly dirigiert die Britten Sinfonia


Pekka Kuusisto Projekt / Dresdner Musikfestspiele

Im VAN-Interview sagt Pekka Kuusisto über seine Heimkehr nach Finnland nach seinem Studium in den USA:

Als ich zurück nach Hause kam und nicht richtig weiter wusste, machte mich ein Freund auf traditionelle finnische Folk-Musik aufmerksam: Diese Leute könnten nie ein Sibelius-Konzert spielen, aber sie waren so viel glücklicher mit und in ihrer Musik als ich. Mir wurde vorher immer gesagt, dass die Belohnung sich automatisch dann einstellt, wenn man technisch in der Lage ist, etwas zu spielen. Und das ist trügerisch. Deshalb fing ich an, viel traditionelle Musik zu spielen, »mit meinen Wurzeln in Berührung« zu kommen, und das hat mein Leben wirklich verändert, nicht so in technischer Hinsicht, aber im Zugang zur Kunstform, in dem Bewusstsein, dass es um Kommunikation geht, und darum, mit Leuten zu spielen.

Nach Dresden bringt Kuusisto nun finnische Musiker und Tänzer mit zum Budenzauber: finnische Fiddlemusik aus dem 17. Jahrhundert, elektronische Improvisationen über karelische Melodien und Volkslieder, und eine choreografische Aufführung von Jean Sibelius’ Violinkonzert mit Klavier und zwei Tänzern. Pekka taucht nicht zum ersten, aber bestimmt auch nicht zum letzten Mal in unseren VANstaltungen auf, denn: was er auch anpackt, es hat meistens Hand und Fuß und Seele. 

24. Mai Dresden, Staatsschauspiel, Kleines Haus

 

Folk als Kunstmusik als Folk: Kuusisto mit dem MDR-Sinfonieorchester und Kristjan Järvi (Dirigent) spielen Musik von Górecki, Brahms und Sibelius unter dem Motto »Finnish Folk«:

17. Mai Leipzig, Gewandhaus 


Górecki: Sinfonien No. 3 und 4 (Deutsche Erstaufführung)

1992 veröffentlichte das amerikanische Label Nonesuch Records eine Aufnahme von Henryk Góreckis 3. Sinfonie mit dem Untertitel »Sinfonie der Klagelieder«, die der Komponist bereits 1976 vollendet hatte. Der britische Radiosender Classic FM entdeckte die Aufnahme und nahm sie in heavy rotation, schon bald fand sich die Aufnahme in den Popcharts wieder, verkaufte sich über eine Million Mal und gilt damit als einer der größten kommerziellen Erfolge einer klassischen Musikaufnahme. Die Musik ist Teil der Soundtracks von Maurice Pialats Police, Peter Weirs Fearless, Paolo Sorrentinos La Grande Bellezza oder Terrence Malicks The Tree of Life, die Manchester Trip-Hop Band Lamb sampelte sie 1997 in dem Stück Górecki. Der Komponist selbst baute sich von dem verdienten Geld ein Haus am Fuße des Tatra-Gebirges und machte sich im Übrigen nicht viel aus dem plötzlichen Erfolg, aus Fernsehen und Popkultur, was ihm alles zutiefst suspekt vorkam. Als Górecki 2010 starb, war seine 4. Sinfonie immer noch nicht fertig, aber immerhin so weit gediehen, dass sie sein Sohn Mikołaj vollenden konnte. Das London Philharmonic Orchestra spielte unter Andrey Boreyko am 21. April 2014 die Welturaufführung, im Mai kann man die Vierte im Rahmen der Musikfestspiele Saar erstmals in Deutschland hören, und ein paar Tage später die Dritte gleich hinterher. 

25. Mai Dillingen, Lokschuppen
31. Mai St.Ingbert, Kirche St. Josef


Elbjazz in Hamburg

Zwischen – Schublade auf – »Klassik« und »Elektro« werden die Ränder auch in VAN regelmäßig gut ausgeleuchtet. Beim Elbjazz schauen wir uns diesen Monat mal an, was so passiert, wenn Jazz- auf klassische Kunstmusiker/innen treffen: Am Samstag spielt in der Alten Maschinenbauhalle von Blohm + Voss das französische Quatuor Ebène mit der Jazzsängerin Stacey Kent. Die Melange hat bereits auf den beiden gemeinsamen Jazz-Pop-Bossa-Alben Fiction und Brazil bestens funktioniert. Sie bringen Percussion mit, und Staceys Mann spielt Saxophon. Zu späterer Stunde trifft in der Hauptkirche St. Katharinen der allseits geliebte und unlängst zum »europäischen Jazzmusiker des Jahres« (Académie du Jazz) gekürte Michael Wollny auf die israelische Cembalistin Tamar Halperin zur »Wunderkammer-Musik: Geheimnisvolles, irgendwo zwischen Spieluhr und Minimalismus, Barock und wohldosiertem Groove.« Und in der Clubnacht spielen unsere Freunde vom Ensemble Resonanz im resonanzraum im Bunker Bryce Dessner, Terry Riley und Philip Glass.

29. und 30. Mai Hamburg, verschiedene Orte


 

 

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