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VANstaltungen

Die monatliche, subjektive Auswahl von Konzerten, die uns interessieren. Für alle, die ahnen, dass Klassik unmittelbarer, abgründiger, glückseligmachender ist als die Klischees im eigenen Kopf, aber noch nicht wissen wohin mit diesem Verdacht.


Matthäus-Passion hören

Die »Ich glaube ja eigentlich nicht an Gott, aber wenn ich die Matthäus-Passion höre …«-Ahnengalerie ist lang und illuster. Nachdem er die Matthäus-Passion in einer Woche gleich dreimal rezipierte, fühlte sich selbst Friedrich Nietzsche zum Missionar berufen: »Wer das Christentum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium.« Der Kommunist Karl Liebknecht war vom selben Werk so verzückt, dass er aus dem Gefängnis schrieb, die Musik kenne »nichts Süßeres, Zarteres, Rührenderes«. Bach drückt noch jeden in Dialektik geschulten Atheisten zurück auf die Kirchenbank. Mitleid kommt da auf mit all jenen, die in deprimierenden Fußgängerzonen oder bei einsamen Amazonasvölkern mit komplizierten Print-Produkten ihren Gott an den Mann bringen wollen: »It's the Matthäus-Passion, stupid!« 

»Wenn wir Bach hören«, so Emile Michel Cioran »sehen wir Gott aufkeimen, sein Werk ist Gottheit gebärend. Nach einem Oratorium, einer Kantate oder einer Passion muss er existieren. Sonst wäre das gesamte Werk des Kantors eine zerreißende Illusion.« Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Matthäus-Passion endet mit dem versiegelten, nicht dem leeren Grab. Wir hören sie also an Karfreitag, und da wo sie hingehört: in der Kirche.

Karfreitag, Kirche


 

Matthäuspassion lesen

Was passiert hier, was geht vor sich? Wer in der Musik noch keine Antwort findet, der wird vielleicht in Hans Blumenbergs Spätwerk, Matthäuspassion, fündig. Der Philosoph und große Geschichtenerzähler nimmt jenen atheistischen aber ergriffenen Hörer zum Ausgangspunkt. Wer dessen Ergriffenheit auf eine rein ästhetische, von allem Religiösen gereinigte Erfahrung reduzieren will, irre: Es ist die Geschichte selbst, die verstörende Gleichzeitigkeit von »Passion« und »Gott«, die durch die Musik hindurch auch den bewegt, der weder an Gott noch Gottessohn glaubt. 

Der nachchristliche Hörer der Matthäuspassion wird von der obsoleten Frage, was denn an dieser Geschichte wahr ist, wohl weniger bewegt werden als von der, was denn an ihr wahr sein darf. War ein Gott im Spiel des blutigen Ernstes – kann er es geblieben sein?

307 Seiten, die nie trockene Gelehrsamkeit, sondern ein unendlicher Strom von Anekdoten, Wendungen, Mythen, Zitaten und abgründig-ironischen Geschichten sind, wie die vom portugiesischen Prediger Pinheiro da Veiga: 

Alljährlich vermochte er die Hörer seiner Passionspredigten bis zum Weinen zu treiben. Diese Wirkung aber schlug auf ihn zurück. Ihn erfaßte nun nach dem Mitleid mit dem gemarterten und sterbenden Erlöser das Mitleid mit den Mitleidenden. So entschloß er sich zu einem theologisch ebenso gewagten wie letztendlich zulässigen Mittel der Barmherzigkeit: Ihr sollt nicht weinen, Brüder! Hört auf zu weinen! Der liebe Gott wird es gewiß so fügen, daß all dies nicht wahr ist.«

Buchhandlung


 

Passions-Musik entdecken

Wieder mal das Kleingedruckte nicht richtig gelesen und ins feuchte Kirchengemäuer verirrt nur um festzustellen: »Diese ›Matthäus-Passion‹ ist ja gar nicht von Bach!« Macht nichts – vielleicht wird aus dem Zufall der Beginn eines neuen Rituals: Jedes Jahr zur Karwoche eine neue Passionsmusik. Und als pädagogische Nebenwirkung lernt man dabei gleich die gesamte Musikgeschichte kennen: 

Wie es der Zufall will


 

Anna Prohaska hören

Neulich in der Berliner Staatsoper: eine ziemlich dröge, uninspirierte Inszenierung des Freischütz von Michael Thalheimer. Dienst nach Vorschrift im Orchestergraben, auf der Bühne mühen sich Max, Kaspar und Agathe an der Rampe redlich, aber der Funke will einfach nicht überspringen. Monotonie aller Orten, da muss es Anna Prohaska kurzerhand alleine richten. Zwei Stunden verbringt man wartend immer auf ihren Auftritt als Ännchen, das sie mal diabolisch verrucht, mal naiv mädchenhaft und immer an der Grenze spielt. Anna Prohaska singen zu hören, ist ohnehin stets jeden Eintritt wert, egal ob es sich wie in diesem April um Pergolesi, Brahms, Mozart, Richard Strauss, Purcell, Händel, Berlioz oder Rihm handelt.

2., 3. und 6. April Baden-Baden, Osterfestspiele, Festspielhaus
9. April Berlin, Philharmonie, Kammermusiksaal
15., 16. und 17. April Zürich, Tonhalle
23. April Wien, Musikverein
25. April Dortmund, Konzerthaus


 

Miscontinuum / Jan St. Werner

Exkurs in die populäre Musik: Mitte der 1990er Jahre kam plötzlich etwas um die Ecke, das neu war. Mouse on Mars brachten auf Alben wie Autoditacker oder Niun Niggung seltsame Klänge in Zusammenhänge, die man bewusst hören und zu denen man tanzen konnte. Es war funky, rauh, irgendwie digital, aber irgendwie auch echt, aus allen Nähten platzend. Irgendwo beschrieb Jan St. Werner – eines der beiden Stammmitglieder der Gruppe – einmal, wie jeder Sound für ihn mit Persönlichkeit verknüpft sei, fiese Typen, die um die Ecke kommen, oder lustige, schüchterne, schlendernde Persönchen. Alles sah wahnsinnig anarchisch und zappelig aus (sie klebten Farbpunkte auf die Klaviertasten, weil Ihnen Tonhöhenangaben nicht sagten). Und trotzdem gab es oft einen ganz besonderen Ausdruck, etwas zartes, lyrisches, so mit Bewusstsein angefüllt war das Zeug nämlich.

20 Jahre und diverse Alben, sowie Exkurse in Literatur, Hörspiel und zeitgenössische Musik später hat die Musik immer noch diese Originalität inne, und St. Werner ist mittlerweile bei der Oper angekommen, wobei er klar macht, dass dieser Begriff – wie auch »Goth«, denn es ist genauer gesagt eine Goth-Oper – etwas ist, mit dem man spielt. Man hört die Musik und sieht die Bilder (alles auf der Webseite der Volksbühne, Link siehe unten) und ahnt die vier Jahre Erarbeitungszeit, die hinter jedem Motiv, jedem Bild und jedem Klang stecken; das Spiel zwischen den Koordinaten könnte konkret werden und ziemlich Eindruck machen.

(An der Volksbühne wird derzeit übrigens noch eine andere Oper gespielt, an der einer der Indiehelden mitwirkt, die in den Neunziger-Jahren aufgestiegen sind: Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte von Dirk von Lowtzow (Tocotronic) und René Pollesch).

5.4. Berlin, Volksbühne


 

John Cranko, Der Widerspenstigen Zähmung

Wir zitieren unsere Autorin Wiebke Hüster (wer sollte es besser wissen?), die über den Abend in ihrem Blog schrieb:

Cranko wusste exakt, was zu tun war, um die Geschichte klug und tänzerisch-mimisch zu erzählen, doch er wusste nicht nur das: Das Ballett atmet Shakespeares Witz, seinen Geist, es übersetzt das überbordende Vergnügen an der Sprache in tänzerischen Ausdruck. Irgendwie sind ja alle Ballette Crankos Fehdehandschuhe, die man Ballett-Ignoranten und Verächtern vor die Füße schleudern kann, worauf sie vor Furcht, für ihre Irrtümer büßen zu müssen, erzittern.

Zum weiteren Bußgang könnte man dann nach Stuttgart ziehen: Ende April feiert dort der Abend »Alles Cranko!« Premiere, mit vier Einaktern des »Vaters des Stuttgarter Ballettwunders«.

Der Widerspenstigen Zähmung 6.4. und 29.4. Karlsruhe, Badisches Staatstheater
Alles Cranko! 30.4. (Premiere), weitere Termin im Mai, Stuttgart, Opernhaus


 

Tabea Zimmermann, Enno Poppe, Ensemble Resonanz

Der Komponist Enno Poppe unterwegs mit dem Ensemble Resonanz und Bratschistin Tabea Zimmermann in Wien, Köln und Hamburg. Irgendwie wären wir da gerne dabei, als embedded journalists, wenn wir denn was beizutragen hätten. Es gibt von Poppe die Kompositionen Wald und Filz, für letztere musste Tabea Zimmermann nach eigener Aussage das »Bratschespielen neu lernen«. (Wer sie auch nur ein bisschen kennengelernt hat, wie wir in unserem Editorial für die zweite Ausgabe, ahnt, dass sie das Neulernen ernst genommen hat.) Vielleicht, weil sie nicht noch ein weiteres Instrument lernen wollte, spielt sie Mozarts Klarinettenkonzert mit der Bratsche. Je nach Auftritt gibt es dazu noch Webern und eine Schubert-Sinfonie. Wer sich noch näher mit der Filz-Komposition von Enno Poppe beschäftigen möchte, kann in Hamburg am 10.4. den Abend »Offbeat« besuchen, und dann tatsächlich und mit den Händen filzen, während Markus Engel mit Musik von Enno Poppe an den Plattenspielern arbeitet.

11. April Wien12. April Köln15. April Hamburg


 

Karl Amadeus Hartmann, Gesangsszene

Schon lange beschäftigte sich Karl Amadeus Hartmann mit den Dramen des französischen Schriftstellers Jean Giraudoux. Im Auftrag des Hessischen Rundfunks begann er Anfang der sechziger Jahre, einige Passagen aus dessen Stück Sodom und Gomorrha in Musik zu setzen. Die von ihm gewählten Szenen, vertont für Bariton und Orchester, zeichnen in prognostischer Hellsichtigkeit das apokalyptische Szenario eines aus dem Ruder gelaufenen Wirtschaftssystems und ökologischen Raubbaus, lange bevor diese ins allgemeine Bewusstsein rückten. Vollenden konnte Hartmann die Komposition nicht mehr, er starb am 5. Dezember 1963. In der Partitur fehlen die letzten neun Zeilen, die aber ohnehin gesprochen werden sollten:

Und die Sonne brennt, aber ich habe ihre Wärme mit der Hand geprüft: es ist siedendes Pech. Und aus der Kehle der Schwalbe wird der Donner des Unerbittlichen losbrechen. Und aus dem Einschnitt der harzigen Zeder werden die Tränen des Weltuntergangs rinnen. Es ist ein Ende der Welt! Das Traurigste von allen...

12., 13. und 14. April München, Nationaltheater
19. April Budapest, Palace of Arts
20. April Wien, Musikverein


 

Musik an der Seidenstraße

Wir wollen uns bei VAN eigentlich mehr mit anderen, nicht-westlichen, aber eben auch »klassischen« Musiktraditionen beschäftigen. Weil für das Bereisen der musikalischen Welt im Moment aber weder Zeit noch Budget ausreichen (unsere Förderabos kennt ihr?), gehen wir im April in die Berliner Philharmonie: Diesen Monat wandelt dort Roger Willemsen in seiner Reihe »Unterwegs« auf den Spuren Marco Polos und stellt Musik der an der Seidenstraße lebenden Völker vor: klassische chinesische Musik, usbekische Lieder, indische Melodien, höfisch-persische Musik, byzantinisches Melos, mittelalterliche Musik aus Venedig. Gäste aus Italien, Griechenland, Iran, China und der Mongolei spielen auf traditionellen Instrumenten wie Oud, Kanun, Setar, Tobshur oder Pipa, Mitglieder der Berliner Philharmoniker ergänzen mit bekannteren Sounds. Roger Willemsen schreibt auf seiner Homepage: 

Auch wenn es manchmal prekär sein mag, Musik aus ihren Milieus zu lösen, sie aus den Wüsten und Steppen, den Klöstern und Eremiteien, den Zelten und Tempeln in einen modernen Berliner Konzertsaal zu tragen, so eröffnet sich so dem Publikum doch die einzigartige Möglichkeit, unerhörte, vielsagende und bewahrenswerte Musik aus den entlegenen Zonen dieser Erde unmittelbar kennen zu lernen.

14.4. Berlin, Philhamonie, Kammermusiksaal


 

Podium Festival

Über das Podiumfestival ist inzwischen schon soviel gesagt worden, dass es Zeit ist, dass es auch wieder mal stattfindet. Was macht es besonders? Die Jugend? Die Provinz? Der Community-Gedanke in der Organisation? Für uns besonders ist, dass die Leute beim Podium-Festival große Gestalter sind. Und muszierende Gäste haben, die das verstehen und mitmachen, denn:

Wenn wir in ein Konzert gehen, dann betreten wir einen Raum, wir sind mit anderen Leute zusammen, das gilt auch für die Musizierenden, sie bilden eine Gruppe, sie treten in Verbindung mit den Zuschauern oder eben nicht. All das beeinflusst die Wahrnehmung der Musik, wegen der wir ins Konzert gehen. Durch die Art wie Zuschauer atmen, blicken, was sie sehen, wie sie sich bewegen, eine Haltung einnehmen, sich berühren, wird es übertragen, verstärkt und rückübertragen.

Das schrieben wir im letzten Jahr nach dem Besuche einiger Konzerte in Esslingen, weil diese Vorgänge hier bewusster und lebendiger erfahren werden als anderso. Und so kommen sie auch dieses Jahr wieder alle und wir heben keinen Veranstaltungs-Ort, keine/e Musiker/in und kein Konzertprogramm hervor. (Letzteres wäre eh schwierig, da es wie immer nur das Konzept, ein Leitmotiv zu erfahren gibt– was gespielt wird, erfährt man erst am Abend des Konzerts vor Ort. Wer es irgendwie einrichten kann, da mal vorbeizuschauen, wird es – was das Festvial betrifft – nicht bereuen, es zu tun.

16.–25. April Esslingen, diverse Spielstätten


 

Klavier-Festival Ruhr

Bereits im letzten Monat wiesen wir auf »Explore The Score« hin, die interaktive Webseite im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr, weil man darin ganz hervorragend in die Klaviersammlung Douze Notations von Pierre Boulez eintauchen kann. Man hätte beim Klavierfestival Ruhr anstatt in den unterirdischen Slogan »Die Pianisten der Welt beflügeln Europas neue Metropole« lieber noch in ein paar solcher Spielereien investiert, aber Schwamm drüber. 

Es ist wirklich nicht unsere Art hier beim bloßen »Namedropping« zu verweilen – Igor Levit, Martha Argerich, Lang Lang, Hélène Grimaud, Pierre-Laurent Aimard, Kit Armstrong, Khatia Buniatishvili, Alice Sara Ott, so nach dem Motto – aber wir wollen hier auch nicht über die Schönheit des Klavierspiels philosophieren, wie es oft mehr Ausdruck hervorbringt, als eigentlich in das Drücken einer Mechanik realistischerweise hineinpasst, wie ein besonderes Klavierspiel sich von Interpret und Werk unabhängig macht und so ein seltsames Eigenleben entwickelt, das auch nicht. Was bleibt dann noch zu sagen? Viele Konzerte sind schon ausverkauft, aber – Stichwort Starkult – viele gute noch nicht.

17. April – 4. Juli Ruhrgebiet, verschiedene Spielstätten


 

Insel Hombroich

Auf der Insel Hombroich bei Neuss in Nordrhein-Westfalen spaziert man durch Landschaften, picknickt und erlebt Kunst. Der Sammler Karl-Heinrich Müller nannte seinen Nachlass, den die Insel darstellt, in Anlehnung an Paul Cézanne Kunst parallel zur Natur. Zwischen Himmel, Grün, Gemäuern und klassischer Kunst kann man hier als Mensch leicht, weit, still und fröhlich werden, durch Fenster schauend, auf Pfaden wandelnd an der frischen Luft.

Stellt sich nur noch die Frage: Das Kammerkonzert vorher oder nachher? In der angrenzenden Raketenstation (eine Geschichte für sich) kann man an einem Samstagabend hören, wie amerikanische Komponisten des 20. Jahrhunderts – tendenziell zu der Zeit etwas weniger verkopft als die Kollegen drüben in Europa – den Transzendentalismus älterer amerikanischer Dichter vertonen. Am darauffolgenden Sonntag morgen gibt es eine Voice-Performance mit Werken von Giacinto Scelsi, John Cage, Hildegard von Bingen, Morton Feldman und Altarmenischen Monodien aus dem 10.-13. Jahrhundert. 

18. und 19. April Museumsinsel Hombroich


Ballettfestival

Vom Tanz geht alle Musik aus.

schrieb Gustav Mahler. Von der Ballettfestwoche der Bayerischen Staatsoper unter anderem: Musik von John Cage, beim »Portrait Richard Siegal«, des großen amerikanischen Tanz-Forschers; Musik von Tschaikowski und Rimski-Korsakow, wenn die »Ballet Russes« gegeben werden, kurzweilige Einakter, über die mancher Pariser vor gut hundert Jahren enzückt: »Ça choque totalement« ausrief. Diese werden übrigens rekonstruiert von Isabelle Fokine, Enkelin des Urvaters aller avantgardistischen Choreografen. Es gibt auch Musik von Mahler selbst, beim Gastspiel der »Compagnie des Jahres 2014«, dem Ballett am Rhein und den Düsseldorfer Symphonikern. Und über Paquita von Alexei Ratmamsky, dass im Rahmen der Ballettfestwoche ebenfalls auf die Bühne kommt, stand in diesem Magazin bereits, dass es die Vergangenheit und die Zukunft der Kunstform gleichermaßen rette.

18.–26. April München, Staatsoper


 

aaaviary

(Aktualisierte Version, 13. April 2015)
Diese Veranstaltung ist ganz nach unserem Gusto; deswegen haben wir uns sehr gefreut, als es vor einigen Wochen plötzlich diese E-Mail zu lesen gab:

Datum: 26. März 2015 16:08:51 MEZ Betreff: Venue

Hi everybody,

I was just at the Preussische Spirituosen Manufaktur to discuss their being a possible venue for April 19th, and they would be willing to do it! So good news there.

The boss is a bit brusque but nice, the location is a cool space with a lot of old distillery equipment, and we are on very short notice, so I think we should focus on doing the concert there.

They suggested charging a €10,- entrance fee which would include 3 shots of their homemade schnaps, one for each piece. We would divide the proceeds 50/50 so €5,- to them and €5,- to us per person.

Here are some observations from the meeting:

– the acoustic is quite resonant; I think it will work really well for Frey and Beppel, with Pisaro we may need to be careful

– we can fit an audience of max 50-60 people there and apparently the bathrooms are very limited (i.e., I think in another part of the building)

– it is VERY important for them that the audience is "respectful" of their equipment, which means that if people start touching things, we will have a big problem. Their boss wants to give a short intro about that before the concert, which isn't ideal, although his grumpiness makes it cooler than it would be otherwise I think

– it is a 10 min. walk from U9 Amrumerstr. and there's a tram that goes right there, but it is on the first floor of a building and does have a pretty good "abandoned" feel -there are about 30 chairs at the location, more space to sit on some stairs. etc

– I asked them to listen to the pieces and then see what kind of schnaps they want to offer...

So, I'd really like to get started. We have 2/3 musicians- do you know any percussionists? Having trouble finding someone there.

The concert in NY was a big success apparently!

Jetzt ist es amtlich: Drei Schnäpse, drei Stücke, wir sind immer noch dabei. Kommt alle!

19.4. Berlin Preussische Spirituosen Manufaktur


Kosky und Schönberg, Moses und Aron

Klar, jetzt will er es uns allen so richtig zeigen. »Nicht nur Mozart und Operette, ich kann auch Zwölftonoper". Aber wem würden wir gerade Schönbergs »Moses und Aron« mehr zutrauen, als Barrie Kosky. Was der Mann an der Komischen Oper auch anpackt, es wird ein Triumphzug. Oder ereilt in dieses Mal das Scheitern? Wir sind gespannt.

19., 24. und 28. April und verschiedene Termine im Mai, Berlin, Komische Oper


Leonard Bernstein: A Quiet Place

Kent Nagano erzählt in seinem Buch Erwarten Sie Wunder von einer letzten Begegnung mit Leonard Bernstein in dessen Haus in Tanglewood. Bernstein weiß, dass es mit dem Leben zu Ende geht, in der rechten Hand hält er seine Zigarette, in der linken die Sauerstoffmaske, die seine Atemnot lindern soll. Sie reden über Bernsteins Musik, über sein Vermächtnis.

»Kent«, sagte er plötzlich nachdenklich, »ich bin mir sicher, A Quiet Place ist gute Musik, zumindest in Teilen.« Er sagte das mit tiefer Überzeugung, über der ein Schatten von Desillusionierung lag. Er selbst fand, dass vor allem einige seiner späten Werke gute Musik waren. Als Komponist musste er allerdings erfahren, wie umstritten er als solcher war und wie viele seiner Werke bis zuletzt weder die Kritiker noch das Publikum überzeugen konnten.

»There is some strong music in A Quiet Place«, dieser Satz geht Nagano nicht mehr aus dem Kopf. Er nimmt sich vor, die Oper »von allem Pomp befreien, um ihr musikalisches Fundament freizulegen«, eine kammermusikalische Version, »mit der sich zeigen ließe, was vielleicht wirklich in dieser Komposition steckt: nämlich einzigartige Musik, amerikanische Klänge, atemberaubend komponiert.« 1993 studiert er die neue Fassung mit dem Ensemble Modern ein, im April führen sie sie zusammen mit dem Vocalconsort Berlin noch einmal in Dortmund auf. 

28.4. Dortmund, Konzerthaus


Acht Brücken

Dass alle Kunst politisch ist, dafür braucht es vielleicht nicht unbedingt die etwas umständliche Herleitung (Aristoteles, Platon, Politikverdrossenheit) auf der Homepage von Acht Brücken. Andererseits sollte man sich dessen vielleicht in der Klassikkultur gerade wieder vergewissern, in Zeiten, wo einige ihrer hofierten Stars mit dem »Unpolitischen« kokettieren und mit Slogans wie »G-Dur kann ja nicht politisch sein« hausieren gehen. Acht Brücken hat um den Festivalschwerpunkt herum ein Programm gebaut, das die alten Haudegen der Poltit-Komponisten wie Luigi Nono, Cornelius Cardew und Frederic Rzewski (der sein The People United Will Never Be Defeated! selbst spielt) ebenso umfasst wie die französisch-chilenische Rapperin Ana Tijoux oder den multitalentierten Schorsch Kamerun, der den vielversprechend klingenden Abend »Ihr seid das Volk, ich bin mein Feind.« gestalten wird.

30.4.–10.5. Köln, diverse Orte