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Webdesign der Neunziger, Mäusekino und clashende
boldness – Hauptsache responsive umgesetzt.

Zehn aktuelle Webseiten aus der digitalen Welt der Klassik
in der Stilkritik mit Tobias Sawitzki.

Webdesign der Neunziger, Mäusekino und clashende boldness – Hauptsache responsive umgesetzt. 

Zehn aktuelle Webseiten aus der digitalen Welt der Klassik in der Stilkritik mit Tobias Sawitzki.

Protokoll und Fotos Alex Ketzer


Bielefelder Philharmoniker

Typografisch und ästhetisch gut gestaltet. Da war ein stilbewusster Gestalter am Werk. Jedoch wirkt die Seite insgesamt sehr kleinteilig und in Sachen Raster, Aufbau und Großzügigkeit ein klein wenig altmodisch. Die Corporate-Design-Vorgaben scheinen sehr gute zu sein – wahrscheinlich ausgeklügelter, als die Webseite das transportieren kann. 

Die Seite ist benutzeroptimiert angelegt, hat eine klare Navigationsstruktur und durch die gute Gliederung erkennt man sofort, was aktuell das Hauptthema ist. Aber darüber hinaus macht sie nicht unbedingt Lust, das Programm der Bielefelder Philharmoniker tiefer zu erforschen. Alles wirkt sehr funktional und ähnelt zu sehr einem Blog. Man wird nicht richtig reingezogen.


Gewandhausorchester Leipzig 

Das ist schon mal super: Großzügiger Bildaufmacher im sichtbaren Bereich und eine sehr aufgeräumte Navigation. Gleichzeitig auch nutzerorientiert, da man den Kalender auf die erste Ebene gelegt hat. Interessantes Grafikdesign mit den 3D-artigen Blöcken, die sicherlich auch im Print-Design aufgenommen werden. Die Seite ist full responsive gedacht, was auch gut zu funktionieren scheint. Das Zusammenspiel der verschiedenen Schriftschnitte ist super, und auch das wird sich wahrscheinlich in der Print-Gestaltung wiederfinden.

Beim Runterscrollen bemerkt man leider eine große Fallhöhe zwischen der opulenten Bildwelt, die oben in dem Kalendarium aufgemacht wird, und den konservativen und flächigen Typo-Blöcken unten. Da hätte mehr Weißraum gut getan. 

Das Logo oben links suggeriert Tradition – und wirkt extrem konservativ. Das steht ein wenig im Kontrast zu den massiven Farbflächen, sowie dem hart geometrischen und technoid anmutenden Seitenende. Das clasht alles zu viel. Aber insgesamt: Gute Typografie und zeitgemäße Gestaltung.


Salzburger Festspiele 

Auf den ersten Blick bin ich etwas verwirrt, weil ich mich frage, auf welcher Seite ich hier eigentlich bin: Salzburger Festspiele oder Pfingstfestspiele? Da fehlt ganz klar der branding-Moment. Extrem kleinteilige Typografie, überholtes Raster – insgesamt sehr unruhig. Irgendwie macht es den Eindruck, als wäre ich auf einer alten, archivierten Webseite gelandet. Das animiert nicht, sich mit dem angebotenen Inhalt zu beschäftigen. 

Man hat versucht, möglichst viel Inhalt auf die Startseite zu packen, doch vieles erschließt sich überhaupt nicht. Schaut man sich dagegen die Programmhefte an, merkt man, dass hier verpasst wurde, die vernünftige Print-Gestaltung aufs Web zu übertragen. Es fällt wirklich sehr schwer, der Seite etwas Positives abzugewinnen. So war das Internet in den Neunzigern.


Bayreuther Festspiele 

Die Tatsache, dass diese Seite eine Intro-Page hat, erschreckt ein wenig. Diese fisselige Auswahl der Sprache mit den Pseudo-3D-Flaggen – das ist überhaupt nicht zeitgemäß. Weiter zur Startseite: Das gibt mir nicht das Gefühl, im Kontext von klassischer Musik oder Festspielen zu sein, sondern eher in einem halbseidenen und leicht unseriösen Online-Shop. Und dann diese komischen Clipart-Bilder mit der Schere, dem Gewehr und dem Feuerzeug … das erschließt sich durch das im Logo angedeutete Corporate Design leider überhaupt nicht. 

Die Gestaltung der Seite steht in direkter Konkurrenz zu selbst-gezimmerten Vereins-Webseiten, und die Aufmachung des Programms und des Spielplans erinnert eher an Kreisliga-Fußball-Ergebnisse, als an die Bayreuther Festspiele. Wenn man nicht gerade ein zwingendes Bedürfnis hat, hier etwas zu erledigen – zum Beispiel Tickets zu bestellen oder nochmal zu prüfen, an welchem Tag welche Veranstaltung stattfindet – dann vermag es die Webseite definitiv nicht, den Benutzer über die Startseite hinauskommen zu lassen.


Opernhaus Zürich 

Je länger man hier drauf schaut, desto mehr versteht man, welche Informationen aufbereitet sein sollen. Leider ist der Zusammenhang zwischen den Elementen überhaupt nicht intuitiv erfassbar. Sehr kryptisch und kleinteilig. Modern gemeint, aber irgendwie wirkt die Seite nach heutigen Gesichtspunkten vielleicht etwas überholt und staubig. 

Schade, dass die Jahreszahlen der Spielzeit wie ein Schwergewicht auf dem Logo liegen und dieses geradezu erdrücken. Dass die Navigationsleiste unten angelegt ist, fällt leider etwas spät auf. 

Schauen wir uns mal die Unterseiten etwas genauer an: Dem Seitendesign mangelt es etwas an Affinität für den Besucher. Bei den verlinkten PDFs kann man wieder einmal beobachten, dass das Opernhaus eigentlich eine sehr gute Print-Gestaltung hat, die Web-Übersetzung wirkt aber nicht sonderlich medienaffin. 


New York Philharmonic

Vom Aufbau der Startseite her entspricht das schon sehr dem Zeitgeist: Möglichst viele Inhalte, unterschiedlich große Fotos, variierende Teaser-Elemente und großzügige Gestaltung. Sehr guter Ansatz. Man merkt auch sofort, dass man sich über das Nutzererlebnis Gedanken gemacht hat: Die Menüführung ist deutlich durchdachter als bei den anderen Beispielen und vor allem konsistent bis in die einzelnen Untermenüs umgesetzt. Die verschiedenen Benutzergruppen werden gut und bedarfsorientiert abgeholt: Wenn ich meinen Besuch planen will, kann ich das auf einen Klick erledigen, ich kann aber auch direkt in die Historie eintauchen. Das zieht einen ganz gut rein. 

Wenn man jedoch tiefer in die Seite einsteigt, muss man leider einen kleinen Bruch feststellen. Die Startseite macht Lust darauf, das New York Philharmonic zu erforschen, aber auf den Unterseiten hat man eher das Gefühl in einer Art Wikipedia zu stecken: Brutal viel Lesetext, der völlig ungegliedert ist, immer kleiner werdende Bilder – das ist ein wenig schade, weil die Startseite wirklich viel verspricht.


Nationaltheater Mannheim

Das sieht erst einmal nach einem kühnen Entwurf aus. Da hat man wirklich gute Bilder für die aktuell laufenden Sachen ausgewählt, und es ist schön, dass man das so in den Fokus gerückt hat. Scrollt man dann weiter runter, ist die Fallhöhe sehr groß: Man kommt aus großen cineastischen Bildwelten plötzlich in extrem faktenorientierte Tabellen, die eigentlich gut gestaltet und technisch gut umgesetzt, hier aber ein wenig fehlplatziert sind. Das vermittelt eher den Eindruck von Mäusekino. Auch das Mega-Drop-Down-Menu wirkt eher überfordernd als sinnstiftend. Da muss man schon die Lesebrille aufsetzen und sich genau überlegen, was man anklicken möchte, soll oder will. 

Insgesamt ist der erste Eindruck der Seite sehr vielversprechend. Man könnte im weiteren Verlauf jedoch den Mut zur boldness ruhig konsequenter durchziehen. Das wirkt alles zu aufgeräumt, auch wenn die Bilder extrem lebhaft sind. Es entsteht der Eindruck, dass man sich alles sehr schnell erschließen kann – leider zerfasert es aber sehr schnell.


Neue Vocalsolisten und Ensemble Modern 

Was soll man dazu sagen? Vor zehn Jahren wäre ich neidisch auf das vollflächige Hintergrundbild gewesen. Diese Seiten sind Zeugnis dafür, wie Webdesign früher mal war und wie viel in der Zwischenzeit passiert ist. Das hat einen sehr hohen Flash-Back- und Nostalgie-Faktor.


Basel Sinfonietta 

Die Seite scheint sehr aktuell, also in den letzten beiden Jahren entstanden zu sein. Man hat oben einen recht großzügigen Bereich, den man anscheinend für aktuelle Ankündigungen nutzt. Darunter ein klassisches Masonry-Raster, in dem man aktuelle Themen anteasert. Gestalterisch ganz schlüssig und gut gelöst. Die Unterseiten suggerieren auf jeden Fall ein modernes und themengerechtes Corporate Design mit toller Bildwelt, das die Startseite jedoch leider gar nicht kommuniziert. Vielleicht liegt das aber auch an dem aktuellen Petitionsaufruf, der sehr wichtig zu sein scheint.


Ensemble Musikfabrik

Das Grafikdesign wirkt sehr modern und spannend. Man hätte ruhig noch ein wenig mutiger mit der Breite des Rasters und dem Layout umgehen können. Sehr aufgeräumte Navigation, gute Leseführung und der Kalender ist direkt auf der ersten Ebene zu finden und zudem noch gut gestaltet. Das wirkt insgesamt gut gemacht. Das Corporate Design gibt definitiv mehr her, weil es sehr gewagt und jugendlich wirkt, während die Seite technisch und vom Layout her eher konservativ daherkommt. 

Auf den Unterseiten merkt man dann sehr schnell, dass die Musikfabrik sich sehr viel Mühe gibt, ihre Aktivitäten und Veranstaltungen sauber ins Netz zu transportieren. Auf jeden Fall ziemlich gelungen und alles in allem sehr sauber umgesetzt. Für mich von allen Seiten, die wir uns angesehen haben, die beste. ¶

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