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Pandora’s Box
Ein zweiter Blick auf Plattencover

Michael Pichler, Professor für Kommunikationsdesign, kommentiert das Aussehen einiger Neuerscheinungen der letzten Monate.

 

Protokoll Tobias Ruderer

Visions Fugitives (Prokofjew u.a.); 
Anna Gourari (Klavier); ECM

»Aus der Sicht eines Designers setzt das Label ECM schon eine hohe Messlatte. Die beeindrucken seit Jahrzehnten mit ihrer visuellen Sprache, und egal ob das Schwarz-Weiß-Fotos oder wie hier abstrakte Malerei im Zusammenspiel mit Typografie ist: Das Faszinierende ist, dass die ECMCover immer sofort erkennbar sind, ohne ein strenges Corporate Design zu haben, nicht einmal in der Typografie. Ich kenne eigentlich kein Label, das so etwas in dieser Konsequenz schafft. Stilistisch meistens minimal, europäisch geprägt, manchmal skandinavisch. Die wählen die Bilder auch oft so, dass man wirklich ein Gefühl von der Musik bekommt, aber sehr subtil, nicht konkret. Vor fünf Jahren erschien dazu sogar einmal ein Buch bei Lars Müller (Der Wind, das Licht – ECM und das Bild, d. Red.).«

Dvorák; Anne-Sophie Mutter (Geige) u.a.; 
Deutsche Grammophon

»Totale Katastrophe. Mir tut auch irgendwie dieses arme DG-Logo da unten leid, das schämt sich fast. Klar, Anne-Sophie Mutter ist ein role model, ein Popstar. Aber dieses ganze Bild erinnert mich eher an Clip-Art von Microsoft aus den Neunzigern, obwohl es sich wahrscheinlich um eine originäre Illustration und nicht um irgendeinen Filter handelt. Dazu diese komische Typografie – ich weiß nicht, ob das ein Versuch ist, neue Zielgruppen anzusprechen? Da hinten in Schwarz-Weiß sehe ich Pandabären, wo eigentlich gar keine sind. Was immer man da transportiert, ich bekomme es nicht mit Dvořák oder den Berliner Philharmonikern zusammen. Da wird auch nichts zitiert, das ist irgendwie aus der Zeit gefallen.«

Pandora’s Box; 
Arditti Quartett; Col Legno

»Das hat mit meiner Heimat Tirol zu tun: Das Konzept und Design für das Erscheinungsbild des österreichischen Labels stammt von einer kleinen Tiroler Agentur (CIRCUS), die immer wieder mit ganz schlauen Arbeiten reüssiert. Die Gestalter sind selbst Musiker und mit dem Label verbandelt. »New colors of music«, der Leitsatz des Labels, ist Programm in der Gestaltung. Ich kann mich sehr gut erinnern, wie ich vor ein paar Jahren in der Heimat mal in einem Buchladen war, und da haben mich diese CDs sofort angesprungen, nur Typografie, nur Farben. Ich habe mir gleich ein oder zwei mitgenommen, ohne genau zu kennen, wer da spielt. Hier gelingt es total gut, klassische Musik sichtbar zu machen auch für neue Leute. Das einzige Manko, das ich bei diesem ganz strengen Corporate Design sehe – man kann das ja mit der edition suhrkamp vergleichen – ist, dass sich das irgendwann erschöpft hat.«

Bach: Weihnachtsoratorium; 
La Petite Bande, Sigiswald Kuijken; Northstar

»Wie viele Plattencover es zum Weihnachtsoratorium wohl schon gibt? Also unabhängig vom Inhalt finde ich dieses Bild gut. Dieser Kopf, der da aus dem Schwarz rauskommt, das ist fast skulptural, wie in Stein gehauen. Irgendwie finde ich das attraktiv. Eine Abweichung vom Standard-Klassik-Cover, das ich so abgespeichert habe: Jemand steht neben dem Baum oder auf der Weise und guckt mich an und hat eine Geige in der Hand, spielt aber nicht. Dagegen finde ich hier, dass die Ausleuchtung und die Tatsache, dass Kuijken wegschaut, einiges transportieren. Die einzigen Schwachpunkte sind vielleicht diese Diagonale zwischen dem Logo oben links und dem unten rechts – und die Typografie ist leicht unentschlossen. Aber eigentlich ist das in Ordnung.«

Beethoven: Klavierkonzerte; 
Nagano (Dirigent), Kodama (Klavier) (u.a.)

»Das ist genau der Standard, den ich meine: Entweder es gibt eine alte Malerei, ein Stillleben und eine klassische Typografie drauf oder: es stehen irgendwo Leute, die in die Kamera gucken; und wenn sie kein Instrument im Arm haben, dann haben sie die Arme verschränkt. Die Typografie links, dieses klassisch-reduzierte, das finde ich vollkommen in Ordnung, aber dieses Motiv mit den beiden, das sieht aus wie aus einer Fernsehzeitschrift, eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung oder eine Krimiserie, »In den Straßen von San Francisco« oder so. Ich weiß nicht, wieso es das immer und immer wieder gibt. Als ob man kein Cover machen möchte, aber es irgendwie muss. Das Bild ist auch ein bisschen eingesperrt. Überall, wo Platz war, hat man etwas platziert.«